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Nato im Umbruch

FOTO: k r o h n f o t o . d e
AAuch das größte Chaos im Weißen Haus kann darüber nicht hinweg täuschen – kein US-Präsident zuvor hat die Welt nach leidglich vier Wochen Amtszeit so stark verändert wie Donald Trump. Den Beweis dafür lieferte die Münchner Sicherheitskonferenz. Stefan Vetter

In normalen Zeiten wäre es keine Notiz wert gewesen, hätte der Stellvertreter eines US-Regierungschefs die Treue seines Landes zur Nato beschworen. In München wollte der Beifall dafür gar nicht enden. Fragt sich nur, wem man mehr Glauben schenken kann, Trump oder seinem Vize.

Auch in München gab es darüber keine letzte Gewissheit. Nun wissen die europäischen Nato-Partner allerdings auch nicht erst seit Donald Trump, dass sie mehr für ihre Sicherheit tun müssen. Auch Deutschland hatte schon vor drei Jahren bei einem Gipfeltreffen in Wales zugestimmt, zwei Prozent seines Bruttosozialprodukts in die Rüstung zu stecken. Doch ganz so ernst hat man das in Berlin offenkundig nicht genommen.

Die Probleme bei dieser Zählweise sind ja auch unübersehbar. Angesichts eines soliden Wachstums braucht es im deutschen Rüstungsetat schon zusätzliche Milliarden, um den gegenwärtigen Stand von 1,2 Prozent überhaupt halten zu können. Umgekehrt könnte Griechenland die Militärausgaben wegen seiner desolaten Wirtschaft zurückfahren und bliebe trotzdem Musterschüler im Fach Verteidigung. Tonnen-Ideologie hilft also nicht weiter.

Das gilt auch für die von Bundespräsident Joachim Gauck verfochtene Idee, ein Drei-Prozent-Ziel zu kreieren und darin die Entwicklungshilfe einzubeziehen. Richtig an Gaucks Forderung bleibt allerdings, Verteidigung und Entwicklungszusammenarbeit nicht mehr länger politisch getrennt zu behandeln. Denn wer heute als Flüchtling nach Europa kommt, ist ja in aller Regel vor fehlgeschlagenen Militärinterventionen geflohen. Ob Donald Trump in solchen komplexen Kategorien denkt, darf freilich bezweifelt werden.

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