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| 01:40 Uhr

Murphys Gesetz und der FCE

Kommentar. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Vermarktung von Fernsehrechten im Profifußball sorgt für Aufruhr: Einige Medien vergleichen die vor Gericht erfolgreiche britische Wirtsfrau Karen Murphy schon mit Jean-Marc Bosman. Der belgische Fußballer hatte 1995 vor der gleichen Instanz erwirkt, dass Profis nach Vertragsende ablösefrei die Vereine wechseln dürfen. KommentarJanlehmann

Danach waren die Spieler-Gehälter in die Höhe geschossen, die Branche musste sich völlig neu sortieren.

Nun lautet die Frage: Wird Fußball im TV bald billiger? Auf alle Fälle besteht die Hoffnung, falls man beispielsweise den Decoder eines polnischen Anbieters nutzt. Dann müsste man aber eben auch den polnischen Kommentator in Kauf nehmen. Das klingt etwas abstrus, aber es gibt nicht wenige Fußballfans, die genau das schon im Internet machen. Die auf halblegalen Seiten beispielsweise die Spiele von Energie Cottbus in der 2. Liga mit fremdsprachigem Ton verfolgen. Besser als gar nichts für viele, die sich das Angebot von Sky Deutschland nicht leisten können oder wollen.

Doch genau jene Fremdzuseher sollten bedenken, dass sie damit womöglich auch ihre Lieblingsclubs schädigen.

Energie zum Beispiel könnte das Murphy-Urteil durchaus schaden. Denn Sky Deutschland hat schon angekündigt, dass es die Verträge mit der Deutschen Fußball Liga korrigieren möchte. Heißt: Es gibt weniger Fernsehgeld - und das träfe vor allem die kleineren Vereine. Während nämlich beispielsweise bei Bayern München der Saisonetat durch Zuschauereinnahmen, Merchandising-Verkäufe und Sponsorenleistungen üppig aufgestockt wird, ist das bei Energie anders. In der Lausitz gibt es nicht die Fülle von Sponsoren oder Zuschauern. Hier besteht der Etat hauptsächlich aus dem Fernsehgeld. Wenn das weniger wird, dann sinkt auch die Cottbuser Konkurrenzfähigkeit.

Nach dem Bosman-Urteil nun also Murphys Gesetz. Das besagt ja ursprünglich zurückgehend auf den US-amerikanischen Ingenieur Edward A. Murphy: "Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen." Nicht nur bei Energie, sondern europaweit werden Vereinspräsidenten und Fußballmanager hoffen, dass es nicht ganz so schlimm kommt.

jan.lehmann@lr-online.de