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| 18:13 Uhr

Leitartikel
Null Risiko gibt es nicht

Christine Longin
Christine Longin FOTO: LR / Redaktion
Wieder Paris, wieder ein Ausgehviertel, wieder ein Abend am Wochenende. Die Messerattacke an der Garnier-Oper erinnert natürlich an die Anschläge des 13. November 2015. Und doch ist vieles anders seit jener Nacht, die das Leben der Pariser für immer veränderte. Vor allem die Art des Terrorismus hat sich gewandelt.

Wieder Paris, wieder ein Ausgehviertel, wieder ein Abend am Wochenende. Die Messerattacke an der Garnier-Oper erinnert natürlich an die Anschläge des 13. November 2015. Und doch ist vieles anders seit jener Nacht, die das Leben der Pariser für immer veränderte. Vor allem die Art des Terrorismus hat sich gewandelt.

Vor zweieinhalb Jahren stürmten mehrere Kommandos gleichzeitig mit Kalaschnikows in die Pariser Bars und den Konzertsaal Bataclan. Am Samstagabend war es ein Einzeltäter, der mit dem Küchenmesser seiner Eltern auf Passanten losging. „Low Cost-Terrorismus“ nennen das die Experten. Auch die Autos, die in Menschenmengen rasen, gehören in diese Kategorie. Und solche Attacken von Einzelkämpfern lassen sich auch in Zukunft nicht vermeiden. Innenminister Gérard Collomb hat da völlig recht. Null Risiko gibt es nicht. Weder in Frankreich noch anderswo. Die französische Rechte, die lautstark schärfere Maßnahmen gegen die Terrorverdächtigen fordert, macht sich damit nur selbst etwas vor.

Die Chefin des Front National, Marine Le Pen, will verdächtige Ausländer ausweisen und vergisst dabei, dass die meisten Attentäter Franzosen sind. Und der Chef der Konservativen, Laurent Wauquiez, will die mutmaßliche Islamisten ohne vorherigen Prozess inhaftieren und dadurch mit allen Regeln des Rechtsstaates brechen. Beide versuchen, mit plumpem Populismus zu punkten. Genauso wie diejenigen, die nun die Wiedereinführung des Ausnahmezustands fordern. Dabei hat diese Maßnahme, die in Frankreich zwei Jahre lang galt, neue Anschläge nicht verhindern können. Zuletzt erwies sich der „état d’urgence“ als stumpfes Schwert, das nur noch psychologische Wirkung hatte.

Die Pariser haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren gelernt, mit der Terrorbedrohung zu leben. Sie halten die Augen offen und reagieren bei Gefahr. Ein Augenzeuge war es, der am Samstagabend sofort die Polizei rief und damit Schlimmeres verhinderte. Wachsamkeit kann eine wirksame Waffe gegen den Terrorismus sein.