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| 19:35 Uhr

Leitartikel zur Bundestagsdebatte
Merkels Schweigen

 Mathias Puddig
Mathias Puddig FOTO: MOZ
Die Kanzlerin ist zurück. Zum ersten Mal seit den Wahlen in Brandenburg und Sachsen hat Angela Merkel in der Generaldebatte die große innenpolitische Bühne bekommen. Sie sprach über Klima, Außenpolitik und Verteidigung. Von Mathias Puddig

Ein Thema ließ sie aber aus: Während das ganze Land beschäftigt ist, die Wahlergebnisse zu verstehen, schweigt Merkel dazu. Wieder einmal.

Dahinter steckt ein Muster. Angela Merkel, die eine der unglaublichsten Karrieren unserer Zeit hingelegt hat, macht ihre ostdeutsche Biografie unsichtbar. Nur sehr selten erzählt sie aus ihrem Leben in der DDR, von Anoraks und Tomatenmark und von den einschneidenden Erfahrungen nach 1989. Und wenn sie das doch mal tut, dann spricht ein „Man“, kein „Ich“. Sie hätte die Chance gehabt, als gesamtdeutsche Kanzlerin das Land miteinander ins Gespräch zu bringen, vielleicht sogar zu versöhnen. Darauf hat sie verzichtet.

Die Debatte ging trotzdem weiter. Und jetzt, nach den Wahlen in Brandenburg und Sachsen und vor dem 30. Jahrestag des Mauerfalls, gibt es dieses Gespräch eben ohne die Kanzlerin. Es wird mal mehr, mal weniger ernsthaft geführt – es hat insgesamt aber eine hohe Qualität und einen zuvor nicht dagewesenen Facettenreichtum erreicht. Doch anstatt diese Chance zu ergreifen und sich einzumischen, verzichtet Angela Merkel wieder auf ihre Stimme. Das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen der Kanzlerin und vielen Ostdeutschen wird dadurch nicht besser.

Angela Merkels Kanzlerschaft wird bald enden; höchstens zwei Jahre hat sie noch. Ein Fazit aber lässt sich schon jetzt ziehen: Merkel wird als Kanzlerin aus dem Osten erinnert werden. Nicht als ostdeutsche Kanzlerin.

⇥politik@lr-online.de