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| 18:21 Uhr

KOLUMNE MEINE WIRTSCHAFTSWOCHE
Wochenende? Fällt aus!

FOTO: LR / Sebastian Schubert
Vier Wochen ohne Auto – das bildet weiter. Zwangsläufig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Schließlich lautet die Alternative zu Fuß gehen – unter Zuhilfenahme von Bus und (Straßen-)Bahn. Dabei weitet sich der Blick. Von Beate Möschl

Ganz automatisch: Auf innerstädtische Entfernungen, die gar nicht so groß sind, wie sie vom Auto aus immer erscheinen; auf ein Straßenbahnnetz in Cottbus, das einem Baby-Strampler gleicht, der viel zu klein geraten ist im Verhältnis zur gewachsenen Stadt; auf Stoßzeiten – früher hieß das mal Berufsverkehr – und darauf wie Schule, Job, Arbeitsamt oder Ruhestand das Leben diverser Altersgruppen bestimmen oder zumindest takten.

Auch Schätzungen zum Anteil einzelner Altersgruppen an der Bevölkerung lassen sich ganz unwillkürlich betreiben, ultimative Trendlocations wie Ärzte-Viertel oder Teenager-Treffs ausmachen, genauso wie Einkaufsgewohnheiten, Umgangstöne und Neuerungen der digitalen Kommunikation, über die unbeteiligte Fahrgäste oft genug und unfreiwillig Details aus fremden Leben zu hören bekommen, die sie lieber nicht erfahren hätten. Kurzum, der Mensch bleibt auf dem Laufenden und hat Teil am Leben. Mehr noch, er bekommt Denkanstöße und kommt auf Ideen. Zum Beispiel die, dass Landes- und Bundespolitiker ab und zu mal über Land fahren sollten. Mit dem Öffentlichen Personennahverkehr. Dann würden sie sich möglicherweise sogar viel intensiver darum bemühen, wieder Land zu gewinnen. Nicht im Sinne von stiften gehen, sondern von Anschluss halten und Verkehr besser vernetzen, statt ganze Regionen einfach abhängen.

Als auf den Nahverkehr angewiesene Bürger kämen sie wohl auch besser auf den Trichter, warum beim Thema Diesel-Fahrverbote, Citymaut oder Klima-Steuern im Land meist dicke Luft herrscht und mindestens die halbe Welt allergisch reagiert. Weil ohne Auto der Mensch immer noch aufgeschmissen ist. Insbesondere auf dem Land und an den Wochenenden, wenn er mit der Familie mal ins Grüne will. Denn dann fährt kaum ein Linienbus, in vielen Regionen sogar gar keiner. Da fällt das Wochenende dann wohl flach. Im schlimmsten Fall auch wochentags der Weg zur Arbeit, die der Sicherung des Familieneinkommens dient. Das kann’s ja wohl nicht sein. Das ist auch gar nicht konjunkturgerecht. Schließlich ist es der Konsum – so haben wir dieser Tage wieder gelernt –, der unsere Wirtschaft wachsen lässt, ergänzt durch rege Investitionstätigkeit der Unternehmen und kräftig angeheizten Wohnungsbau. Wer da dazwischen grätscht, muss damit rechnen, dass Mensch, Maschine und Wirtschaft stottern wie Zweitakter, die mit fehlerhaftem Gemisch unterwegs sind, und sich etwas Besseres einfallen lassen als den letzten in der Kette von den Hunden beißen zu lassen.