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| 13:31 Uhr

Ein Leben auf zwei Rädern
Zwischen Zufall und Schuld

 Marion Brasch: Lieber woanders. S. Fischer. 153 Seiten, 20 Euro
Marion Brasch: Lieber woanders. S. Fischer. 153 Seiten, 20 Euro FOTO: S. Fischer
Wie ist es, seiner eigenen Geschichte über den Weg zu laufen? Darüber erzählt Marion Brasch in ihrem neuen Roman. In dieser „echten, erfundenen Geschichte“ steuern zwei Menschen aufeinander zu. Eigentlich ist es ihre zweite Begegnung. Von Ida Kretzschmar

Davon aber ahnen weder Toni noch Alex etwas. Dafür wird der Leser an Wunderlich erinnert, der in einem von Braschs Romanen nach Norden fährt, ein Hutmann, den Toni noch immer nicht aus ihrem Herzen geworfen hat. Allerdings: Hier spielt der Abwesende eher eine Nebenrolle, wie es auch nicht von Belang ist, ob man den Vorgängerroman kennt. Aber wieder schwebt über dem Geschehen etwas Magisches. Wie die Zahl sieben. Oder Blauharz, von dem es heißt, dass es Narben verschwinden lässt. Um den Preis, die Erinnerung daran zu verlieren. Toni hat eine Narbe am Kopf. Und Alex gehen Erinnerungen durch den Kopf, die er am liebsten vergessen will. Ein dunkles Geheimnis umgibt beide in diesem Roman um Zufall und Schuld, Trauer, Einsamkeit und Lüge. Jeder hat seine Version. Kein Wunder, weil die Erinnerungen uns manchmal an der Nase herumführen – oder wir sie, wie Marion Brasch vor Augen führt. Am Ende dieser skurrilen, humorvoll und sehr warmherzig erzählten traurigen Geschichte macht die Erkenntnis betroffen: In jedem von uns steckt ein Tapferer und ein Feigling, ein Zärtlicher und ein Grobian. Ein Guter und ein Schlechter. Du musst dich jeden Tag neu fragen, wer du sein willst. Manchmal sind es nur Augenblicke, die über Glück und Unglück entscheiden. Ein kleines Buch mit einer großen Botschaft.