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Marder-Disco im Spreewald

Es ist der Traum stressgeplagter Städter: Spätestens wer als Berliner mehr als zwei dieser schönen Geschichten über das idyllische Leben im Spreewald in der Zeitung gelesen hat, träumt vom Häuschen im Grünen mit frischem Gemüse aus dem Naturgarten und eigener Bienenzucht. Aber die Idylle ist unerbittlich. Jan Siegel

Wer als erfolgreicher Hauptstadtarchitekt im Spreewald versucht, ein viele Gigabyte schweres Datenpaket für ein einträgliches Zukunftsprojekt durch die dünnen Internet-Kabel zu schicken, braucht Nervenstärke.

Derart angespannt wird selbst der Hahn des Nachbarn zum juristisch relevanten Streit- und Stressfaktor.

Aber es muss nicht mal ein fröhliches "Kikeriki" sein.

Eine Kollegin kämpft seit Monaten erfolglos gegen eine Marderfamilie unter dem Dachgebälk ihres Wochenend-Aussteigerhäuschens im Spreewald. Die "Großstadtpflanze" hat es schon mit Stachelringen und Marderbürsten in der Dachrinne probiert. Geholfen hat nix.

Wirklich wahr: Jetzt versucht sie's mit lauter Musik aus dem Radio. Die dröhnt durchs wochentags leer stehende Idyll.

Hoffentlich hat sie den richtigen Sender gewählt. Wenn die Raubtierchen die Mucke mögen, wird die idyllische Wochenendbehausung zum dauerdröhnenden Marder-Disco-Schuppen.