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Post aus Dresden
Luthers Brötchen

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Sebastian Schubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Martin Luther war ein Genussmensch. Davon zeugt noch heute das Doppelkinn, mit dem er sich malen ließ. Er brachte von Sachsen aus der Welt die Reformation – und er brachte den Sachsen auch das Reformationsbrötchen. Alle Jahre wieder liegt es ab Mitte Oktober in den Bäckertheken, während drüben bei Aldi schon die Weihnachtsschokolade schwitzt. Das Rezept ist nicht in Stein gemeißelt. So macht eben jeder Bäcker draus, was er meint. Rosinen und Zitronat kommen rein, Puderzucker drauf. Vier Ecken sollte es haben. Aber da fangen die Probleme schon an. Denn die Lutherrose, der das Brötchen laut Legende nachempfunden sein soll, hat fünf Ecken. Luther war obendrein ein guter Verkäufer, er nutzte süßes Gebäck, um den Leuten seine Reformation schmackhaft zu machen.Mit dem Rosensymbol stempelte der rebellische Augustinermönch einst seine Briefe. Auch mit dem mittigen Marmeladenklecks, der die Rosenform komplettiert, nehmen es viele Zuckerbäcker nicht so genau. Es geht auch ohne. Im weiteren Umkreis von Leipzig hat das süße Gebäck Tradition, das heißt in etwa zwischen Wittenberg, Erfurt und Torgau. Daran zeigt sich, dass das Sachsen, in dem der Luther vor 500 Jahren wirkte, ein anderes war als das heutige. Christine Keilholz

Falls jemand an diesem Wochenende dorthin kommt und sich fragt: „Reformationsbrötchen? Was soll das nun wieder?“, sei das hiermit erschöpfend erklärt.