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Lumpen in Chefetagen

Stellen wir uns vor, der Vorstand eines Autokonzerns startet ein umstrittenes Projekt. Nach einiger Zeit ist klar: Die Sache floppt, der Konzern muss Millionen abschreiben und Leute entlassen.

Was IG-Metall-Vize Peters dazu sagen würde, klänge wohl ungefähr so: Diese Lumpen in Chefetagen streichen Unsummen an Gehalt ein, ohne Leistung zu bringen. Statt für ihre Fehler die Beschäftigten bluten zu lassen, sollten sie besser selbst den Hut nehmen.
Peters hätte Recht. Nur, das umstrittene Projekt, um das es augenblicklich in der Metallbranche geht, hat er zu verantworten. Mit dem Griff zum Hut aber hält er es ganz wie diejenigen, die er so gerne kritisiert.
Das ist in hohem Maße unglaubwürdig. Wenn Peters Gründe sieht, warum sein Urteil auf Unternehmensbosse, nicht aber auf ihn zutrifft, sollte er diese vortragen. Stattdessen aber teilt er schon wieder aus.
Die IG Metall ist mit dem Streik-Desaster in eine tiefe Krise gestürzt. Diese wird sie nur überwinden, wenn sie die Gründe ihres Scheiterns aufarbeitet. Zu reden wäre beispielsweise darüber, dass es nicht gelungen ist, für ein richtiges Ziel das nötige Ver-ständnis zu wecken. Und, schlimmer noch, dass dieses Manko im Vorfeld nicht erkannt wurde.
Für beides steht zu Recht Peters in der Kritik. Er hat seine Stärken in der Provokation, nicht aber in der Überzeugung. Er integriert nicht, er spaltet.
Dass jetzt über Köpfe, nicht über Inhalte gestritten wird, ist sehr verständlich. Denn die Entscheidung über den Kopf der IG Metall entscheidet auch über deren Zukunft.