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| 18:31 Uhr

Kommentar
Der 200. Geburtstag von Karl Marx ist kein Grund zum Feiern

FOTO: LR / Sebastian Schubert
Cottbus. Der 200. Geburtstag des sozialistischen Vordenkers Karl Marx (1818 bis 1883) gibt Anlass zum Nachdenken, aber nicht zum Feiern des deutschen Philosophen, in dessen Namen viele Verbrechen begangen worden sind. Von Oliver Haustein-Teßmer

Karl Marx würde staunen. Der deutsche Philosoph, vor 200 Jahren in Trier geboren und als Vordenker des Sozialismus im 20. Jahrhundert überhöht, dann verdammt und von vielen vergessen, ist wieder da: Sein Antlitz auf Briefmarken, seine Schriften in neuer Auflage im Buchhandel, sein Name als Marke im Kapitalismus, für Verkaufsschlager wie Spardosen, Statuen und T-Shirts.

Einerseits ist der Rummel gerechtfertigt, denn Marx' Theorie und Erklärungsversuche zur Geschichte der Menschheit haben die Welt geprägt und sind bis heute einflussreich. Andererseits bleibt mit dem bürgerlichen Revolutionär, Lebemann und dem nach ihm benannten Marxismus das Schlechte verbunden. Menschenrechte mit den Füßen tretende Regimes, die dem Einzelnen zu wenig Freiraum, zu wenig Bewegungsfreiheit ließen.

Denn warum ist die DDR untergegangen? Weil eine Riege alter Betonköpfe den Namen von Karl Marx missbraucht hat. Für ein bevormundendes Gesellschaftssystem, das Andersdenkende nicht nur ausgrenzte, sondern bestrafte und vielen Opfern des realen Sozialismus den Tod brachte, am schlimmsten nachzuvollziehen anhand des Stalinismus.

Was vom ollen Kalle bleibt? Sicherlich der Versuch seiner umfassenden historischen Betrachtung der menschlichen Gesellschaft. Die Überlegungen wirken immer noch - indem sie den Blick auf Ungleichheit und Ungerechtigkeit schärfen. Da mit Karl Marx auf den Lippen bis heute Verbrechen gerechtfertigt werden, ist dessen 200. Geburtstag kein Grund zum Feiern, sondern zum Nachdenken.