| 18:53 Uhr

Kolumne Post aus Dresden
Lieber schnell als gut

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Sebastian Schubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Das neue Jahr ist immer wieder gute Gelegenheit, sich zu fragen, warum das mit den guten Vorsätzen bisher nie funktioniert hat. Lange könnte man darüber grübeln, ohne es herauszufinden. Zum Glück hat die Wissenschaft eine Antwort parat. Von Christine Keilholz

Forscher der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben herausgefunden, dass der Mensch leider allzu oft die schnelle Lösung der guten Lösung vorzieht. Kurzfristige Belohnungs- und Bestrafungserlebnisse verzerren demnach unser Urteilsvermögen und halten uns davon ab, die besten Lösungen für langfristige Entscheidungen zu finden.Das erklärt nun einiges: Wir wollen lieber eine schnelle Koalitionsbildung statt einer sinnvollen. Und wir wollen eben lieber jetzt gut essen, statt uns irgendwann in der Zukunft über eine schlanke Figur zu freuen. Die Entscheidung abzunehmen ist zunächst mit zeitnaher Anstrengung verbunden, nämlich dem Verzicht auf überflüssige Nahrungsaufnahme.

Wir wissen es eigentlich besser, tun aber doch das Falsche. Dabei könnte es so einfach sein. „Der Mensch kann als einziges Lebewesen Wissen direkt nutzen, um sich für langfristig optimale Lösungen zu entscheiden“, sagt der Magdeburger Neuropsychologe Adrian Fischer. Er hat mit seinem Team den Zusammenhang zwischen langfristigen Entscheidungen und kurzfristigen Belohnungen in einer Studie untersucht, die jüngst im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde.

Beim vernunftorientierten Langzeitverhalten kommt erschwerend hinzu, dass keiner so recht weiß, was die Vernunft auf Dauer bringt. Man verzichtet ja nicht auf ungesundes Essen, weil man schon Cholesterinprobleme hatte, sondern weil man gehört hat, dass ungesundes Essen dem Cholesterinspiegel schaden kann.

Trotzdem spricht die Studie dem unvernünftigen Mampfen auch weiterhin gute Überlebens­chancen zu. „Unsere Daten zeigen“, sagt der Neuropsychologe Fischer, „dass auch Menschen, die wissen, dass Fastfood langfristig schlecht ist, unter bestimmten Bedingungen die Folgen verharmlosen.“ War es also lecker, kann es nicht schlecht gewesen sein. Und so kann man jedes neue Jahr wieder neu ansetzen.