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Lieb und teuer

FOTO: k r o h n f o t o . d e
Unter Experten gibt es eine schöne Spruchweisheit: Kein Mensch ist gesund, und wenn doch, ist er nur noch nicht hinreichend untersucht. Die individuellen Gesundheitsleistungen, abgekürzt Igel, scheinen wie gemacht zu sein, um diesen Spruch mit Leben zu erfüllen. Stefan Vetter

Dem Patienten wird vom Arzt ein Angebot unterbreitet, das er selbst zu zahlen hat, aber trotzdem irgendwie schlecht ablehnen kann. Denn wer will sich schon nachsagen lassen, dass ihm die eigene Gesundheit nicht lieb und teuer wäre. Der Mediziner wiederum verdient sich damit ein hübsches Zubrot.

Dabei sind viele dieser Leistungen ganz offenkundig fragwürdig. Vor diesem Hintergrund kommt den Ärzten eine große Verantwortung zu. Und die allermeisten werden dieser Verantwortung auch gerecht. Als Vertrauenspersonen des Patienten entscheiden sie in erheblichem Maße darüber, welche Extras angebracht sind und welche nicht. Freilich gibt es kein Naturgesetz, dass sich der Patient blindlings darauf verlassen muss. Im Zeitalter des Internets kann auch er sich besser sachkundig machen.

Das spart im Zweifel nicht nur Geld, sondern vor allem unnötige Untersuchungen, die ihrerseits zu Komplikationen führen können. Manchmal genügt dazu schon ein unverträgliches Kontrastmittel beim Röntgen. Der Spruch vom niemals gesunden Menschen hätte sich dann auf unheilvolle Weise bestätigt.

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