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| 01:02 Uhr

Liberale in Not

Manch politischer Konkurrent spricht der FDP schon seit Jahren die Existenzberechtigung ab. Liberal seien wir doch alle und dafür brauche es keine Partei. Nun ist diese Feststellung leider ein Irrtum.

Im Land der wuchernden Bürokratie, der endlosen Vorschriften und Verordnungen, der Regelungswut schlechthin kann es so weit nicht her sein mit dem liberalen Gedanken, dass im Zweifelsfalle der Staat besser nichts tut. Die deutsche Politik orientiert sich zumeist an dem Grundsatz, dass ein wählersuchender Kandidat am besten fährt, wenn er mit einem energischen Auftritt verspricht, er werde schon dafür sorgen, dass die Menschheit mit immer neuen staatlichen Wohltaten überschüttet wird. Die liberale Grundfrage nach der Notwendigkeit amtlicher Glücksbringer kann in diesem Land nicht oft und laut genug gestellt werden. Es ließe sich in Deutschland sehr wohl liberale Politik machen, gäbe es denn auch tatsächlich genügend liberale Politiker. Nun hat die FDP allerdings Herrn Westerwelle als Vorsteher. Das führt dazu, dass sich der Irrglaube breit macht, ein Liberaler sei gleichzusetzen mit einem, der sich überall hintraut und bei jedem mitjodelt. Die scheidende Generalsekretärin Pieper wurde vor allem dafür gepriesen, dass sie als Frau weiß, wo sie hingehört und nicht von irgendwoher kommt. Das reichte als ideale Ergänzung zum Tausendsassa, zu mehr aber auch nicht.
Die FDP hat nicht mehr viele Chancen nachzuweisen, dass wir sie tatsächlich brauchen. Eine der letzten ist die Pieper-Nachfolge. Da werden Namen genannt wie Dirk Niebel, die Hoffnung machen. Und wenn es so einer werden würde, könnten wir alle davon profitieren. Weil zumindest ein wenig wirklicher Liberalismus unserem Land gut tun würde. Und vielleicht fände dann Guido Westerwelle mit diesem Mann an seiner Seite sogar noch zu seiner Rolle als Vorsitzender.