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| 18:47 Uhr

Leitartikel zur Hongkong-Krise
Im Wettstreit der Systeme

FOTO: MOZ
Zwei Gesellschaftssysteme nebeneinander in einem Land – welche Probleme solch ein Experiment mit sich bringt, kann man seit 22 Jahren am Beispiel Hongkongs studieren.

Die brodelnde Unzufriedenheit in der ehemaligen britischen Kronkolonie zeigt deutlich, wie groß die Abwehrreaktionen immer noch sind. Die Bewohner wollen ihre Gesetze, ihre Währung und ihre Grundfreiheiten behalten. Angesichts der Proteste stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten der Vermittlung andere Staaten haben, um Hongkong zu unterstützen.

Die von der deutschen Opposition vorgetragenen Forderungen, Außenminister Heiko Maas möge seinen Einfluss als nichtständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates nutzen, ist ehrenwert. Aber Deutschlands Möglichkeiten gegenüber China sind, vorsichtig ausgedrückt, begrenzt. Jegliche öffentliche Äußerung zu Hongkong wird von Peking – nicht zu Unrecht – als Einmischung in innere Angelegenheiten verurteilt. Die Rufe aus London, den Hongkongern nachträglich die britische Staatsbürgerschaft zu verleihen, zeigen die Hilflosigkeit der früheren Kolonialmacht. Auch Trumps Twitter-Angebot zu einem Treffen mit Chinas Präsidenten dürfte wohl abperlen. Denn die Zeit ist auf Chinas Seite. War Hongkong lange der freie und wirtschaftlich erfolgreiche Gegenentwurf zur Großmacht nebenan, schillern inzwischen die Fassaden in Schanghai ebenso bunt.

Im Wettstreit der Systeme geht es aber nicht nur um die Wirtschaft. Sondern um die Möglichkeit der Menschen, ihr Schicksal selbst zu bestimmen: um Demokratie. Für deren Verteidigung hat Hongkong alle Unterstützung verdient, die der Westen aufbringen kann, sei sie auch begrenzt. ⇥politik@lr-online.de