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| 19:04 Uhr

Leitartikel zur Debatte über Impfen
Kein Kinderspiel

 Hajo Zenker
Hajo Zenker FOTO: MOZ
Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Das Impfproblem in Deutschland ist viel größer als gedacht. Wenn auch nicht überall gleich groß – im Osten und Norden ist die Bereitschaft der Eltern, den Nachwuchs immunisieren zu lassen, größer als im Süden.

Die Studie, die diese Zahlen liefert, stellt fest: Dort, wo der Glaube an Homöopathie besonders groß ist und Kinder besonders häufig in Waldorfschulen gehen, ist die Impfabneigung am größten.

Dabei sind die sogenannten Kinderkrankheiten für den Körper alles andere als ein Kinderspiel. Selbst Masern können tödlich verlaufen oder bleibende Schäden hinterlassen. Experten raten dringend zum Impfen, das heutzutage sicher und zumeist gut verträglich sei. Doch die Impfquote reicht nicht aus, um etwa Masernausbrüche zu verhindern, die immer wieder Schlagzeilen machen.

Deshalb hatte Gesundheitsminister Jens Spahn, noch ohne die neuen Zahlen zu kennen, bereits ein Gesetz auf den Weg gebracht, das für Kita- und Schulkinder eine Impfpflicht gegen Masern vorsieht. Angesichts des nun bekannten Ausmaßes der Impflücken sollte das Gesetz, das ja noch im Bundestag beraten und verabschiedet werden muss, nachgeschärft werden – in dem man zu den Masern Mumps und Röteln hinzufügt. Einzelimpfstoff gegen Masern ist bei uns bisher ja gar nicht erhältlich, stattdessen wird eine Dreifach-Impfung auch gegen Mumps und Röteln verabreicht. Daraus einen Einzelimpfstoff nur für Masern zu machen, wäre absurd. Und so ließe sich auf einen Schlag drei Krankheiten ernsthaft begegnen. Wie das genau wirkt, müsste man eine Weile beobachten. Und dann entscheiden, ob es auch für andere Krankheiten eine Impfpflicht geben sollte.

⇥politik@lr-online.de