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| 19:05 Uhr

Leitartikel zur CDU
Es bröselt auch bei ihnen

 Ellen Hasenkamp
Ellen Hasenkamp FOTO: MOZ
Nieder-Olm, Nürnberg, Neumünster – die Castingshow der SPD tourt derzeit durch Deutschland. Die Nummer zieht, denn schließlich wird bei dem innerparteilichen Talentwettbewerb nicht nur über die Zukunft der ältesten deutschen Partei entschieden, sondern auch darüber, ob und wie es weitergeht mit Koalition und Regierung im Bund.

Dass die Musik derzeit woanders spielt, scheint der CDU jedenfalls nicht unangenehm zu sein. Denn obwohl die Christdemokraten sich gerne als Stabilitätsgaranten der Groko definieren, bröselt es in Wahrheit auch bei ihnen. Da ist zum einen die Lage in der Parteizentrale. Dass dort diverse Stellen in den Abteilungen Programm, Social Media und Veranstaltungen unbesetzt sind, ist einerseits vielleicht nur Folge des Fachkräftemangels, andererseits ein Zeichen dafür, dass das Adenauer-Haus derzeit nicht gerade top aufgestellt wäre für einen Wahlkampf im kommenden Jahr. Welcher durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Die CDU-Schaltstelle muss zugleich den dritten Umbau binnen weniger Monate verkraften: Kaum war die neue Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer gekommen, ging Angela Merkel, die ja stets nur im Nebenjob CDU-Vorsitzende gewesen war. Die neue Chefin AKK stürzte sich dann mit Haut und Haar und neuen Leuten in die Parteiarbeit, um dann im Sommer Richtung Ministeramt aufzubrechen. Dabei war sie vor einem Dreivierteljahr auch aufgrund ihres Versprechens an die Spitze gewählt worden, sie wolle ihrer Partei „dienen“ und die CDU wieder zur „Denkfabrik“ Deutschlands machen. Nach aller bisherigen Erfahrung mit dem Verteidigungsressort wird ihr dafür nicht mehr viel Energie bleiben.

Zugleich zerren Kräfte von links und rechts an der selbsterklärten Partei der Mitte. Statt die Aufstellung der CDU zu verbreitern, liefern sich die Union der Mitte und die Werte-Union Auseinandersetzungen in einer Schärfe, die Generalsekretär Paul Ziemiak kürzlich zu der Ermahnung veranlassten, der politische Gegner befinde sich immer noch jenseits der CDU – „und nicht innerhalb der eigenen Reihen“. Insbesondere in den sozialen Netzwerken scheint dabei auch der bürgerliche Anstand abhanden zu kommen. Das wiederum schreckt viele Parteimitglieder und potenzielle Wähler ab, die ordentliches Benehmen immer noch für eine der Kernkompetenzen ihrer CDU halten.

Und dann ist da noch die K-Frage. Entschieden werden muss derzeit zwar nichts, unübersehbar ist aber, wie sich diverse Kandidaten von Jens Spahn bis Armin Laschet um eine günstige Ausgangsposition bemühen. Dass das Thema überhaupt eines ist, liegt natürlich daran, dass die CDU-Chefin aufgrund ihrer jüngsten Performance derzeit nicht als geborene Anwärterin gilt. Gut möglich also, dass auch die Christdemokraten bald wieder auf Talentsuche gehen. ⇥politik@lr-online.de