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| 18:52 Uhr

Leitartikel
Keine Beruhigung

Hagen Strauß
Hagen Strauß FOTO: LR / Redaktion
Der Familie und den Freunden des Opfers wäre es zu wünschen, auch dem kleinen Ort, dessen Einwohner sich seit Monaten couragiert gegen die Instrumentalisierung der schlimmen Tat wehren. Doch das Urteil für den Mord an einer 15-jährigen Schülerin in Kandel wird die Gemüter vermutlich noch nicht beruhigen.

Das belegt ein Blick ins Netz: Kaum war der Urteilsspruch ergangen, wurde schon heftig darüber diskutiert, ob achteinhalb Jahre für den vermeintlichen Afghanen zu lasch sind oder nicht. Wo doch laut Jugendstrafrecht zehn Jahre möglich gewesen wären.

So ist das in einem Rechtsstaat. Jeder darf protestieren gegen was und wen er will. Auch gegen Richtersprüche. Und jeder darf ein Strafmaß für angemessen, für zu hoch oder zu niedrig befinden. Ein Urteil kann nun mal nicht wieder gutmachen, was vorher durch eine Tat angerichtet worden ist. Schon gar nicht, wenn dabei ein junges Mädchen getötet wurde.

Aber auch das ist das Wesen eines Rechtstaats: Ist der Richterspruch ergangen gilt es, ihn zu akzeptieren. Außerdem gibt es nun mal den Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten. Im konkreten Fall bedeutete das wohl die Anwendung des Jugendstrafrechts. Bei jedem Deutschen wäre genauso verfahren worden.

Die Tat von Kandel ist damit juristisch aufgearbeitet und nach den Maßstäben des Rechtsstaates gesühnt worden. Über die Konsequenzen aus dem Mord dürfte weiter debattiert werden. Stichwort systematische Altersfeststellung bei jungen Flüchtlingen. Dass aber dann sachlich und ohne Schaum vor dem Mund. Wer demgegenüber das Verbrechen weiterhin lediglich für seine politischen Zwecke instrumentalisieren will, entlarvt sich selbst. Dem sollte man nicht auf den Leim gehen.
politik@lr-online.de