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| 19:10 Uhr

Leitartikel Zu schärferen CO2-Grenzwerten
Großes Lamento für große Autos

 Werner Kolhoff
Werner Kolhoff FOTO: LR / Redaktion
Empörung bei der Autoindustrie. Von 95 Gramm CO2 je Kilometer soll der Aus­stoß bis 2030 auf 60 Gramm heruntergehen. 37,45 Prozent weniger. Das ist etwas mehr, als die Bundesregierung tolerieren wollte. Von Werner Kolhoff

Sie hat sich in Brüssel nicht durchsetzen können. Die neue Zielgröße ist zweifellos ambitioniert. Aber machbar. Denn es geht um den Durchschnitt der Flotten. Und hier liegt das eigentliche Thema.

Die deutsche Industrie hat viel zu spät auf emissionsarme Fahrzeuge gesetzt. Und stattdessen in großer Zahl schwere Limousinen und SUV gebaut und verkauft, mit hohen Gewinnmargen. Trotz immer besserer Motoren ist der Verbrauch deshalb im Schnitt nicht gesunken. Es stimmt eben nicht, wie jetzt behauptet wird, dass CO2-Einsparung und Erhaltung der Mobilität gleichzeitig nur durch technologischen Fortschritt erreichbar ist – der sich in so kurzer Zeit nicht verordnen lasse. Nein, auch mit kleineren Autos und/oder anderen Antrieben ist man mobil – und spart sogar noch Geld. Nun muss die deutsche  Industrie sich etwas früher von ihren dreckigen Gewinnbringern verabschieden und sich etwas engagierter um neue Techniken kümmern, was an die Profite geht. Das ist der ganze Grund für das große Lamento.

Die Auseinandersetzung bietet einen Vorgeschmack auf das, was kommt, wenn die Bundesregierung mit ihrem geplanten Klimaschutzgesetz Ernst machen sollte. Es soll die soeben in Kattowitz erneuerten Selbstverpflichtungen konkret umsetzen, besonders im Verkehr und im Gebäudebestand, wo bisher fast nichts erreicht ist. Man kann das alles natürlich auch sein lassen. Nur sollte man dann ehrlicherweise wie Donald Trump das globale Klimaabkommen aufkündigen. Trump hat die Grenzwerte für die amerikanischen Dinoautos gerade sogar noch erhöht. Vor uns die Autobahn, nach uns die Sintflut.