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| 18:04 Uhr

Leitartikel Merkel im Kaukasus
Reise mit Stolpergefahr

Werner Kolhoff
Werner Kolhoff FOTO: LR / Redaktion
Mit Verlaub, wer ist Alijew? Irgendeiner dieser Despoten, die das bisschen Vermögen ihrer Völker verprassen. Natürlich muss man mit ihm reden, schon weil er in Aserbaidschan regiert, was im Südkaukasus liegt, der eine Art politischer Erdbeben-Gürtel ist. Von Werner Kolhoff

Dazu kommen die Rohstoffe. Aber  reden um jeden Preis? Noch nie hat sich die Kanzlerin vorschreiben lassen, wer mit ihr reist. Das ist ein Prinzip und auch eine Frage des Stolzes. Und dass sie sich vor Bundestagsabgeordnete stellt, die  frei gewählt sind, also das Volk repräsentieren,  ist das zweite Prinzip.

Eine Südkaukasus-Reise ist immer eine Reise mit vielen Stolperfallen. Die erste hat die Kanzlerin schon ins Straucheln gebracht, noch bevor es losgegangen ist. Merkel hätte den Besuch in Aserbaidschan absagen müssen, nachdem der CDU-Abgeordnete Weiler von Alijew aus nichtigem Anlass ausgeladen wurde. Sie hätte sich an dieser Stelle prinzipienfest  zeigen müssen. Das geht aus Gründen der Staatsräson nicht immer, aber bei einem Land, das gerade mal ein Hundertstel der Wirtschaftskraft Deutschlands aufbringt, geht es ganz sicher. Die nächste Falle lauert in Armenien. Die Kanzlerin wird dort an der Gedenkstätte für den Völkermord der Türken an den Armeniern einen Kranz niederlegen. Aber wird sie „den Vorgang“ (Kanzleramt) auch beim Namen nennen, also als Völkermord bezeichnen? So wie es der Bundestag 2016 in seiner Resolution getan hat? Oder wird sie mit Rücksicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan das Wort umschiffen? Dann hätte sie schon gegenüber dem zweiten Despoten der Region einen Knicks gemacht.  Von der deutschen Kanzlerin ist die Rede. Nicht von Österreichs Außenministerin, die am Wochenende ein devotes Tänzchen mit Putin gewagt hat und vor ihm niederkniete. ⇥politik@lr-online.de