ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:38 Uhr

Kommentar
Drohende Implosion im Weißen Haus

Peter de Thiers
Peter de Thiers FOTO: LR
Dass sich das Personalkarussell im Weißen Haus unter US-Präsident Donald Trump manchmal mit schwindelerregendem Tempo bewegt, ist nicht neu. Wenn entlassene Mitarbeiter ihrem früheren Chef dann in den Rücken fallen, beschimpft er sie als Lügner und gelegentlich sogar Verbrecher, die „Staatsverrat“ begangen hätten.

Was sich dieser Tage aber im Weißen Haus abspielt, das stellt alles in den Schatten. Wir erfahren nicht nur, dass Kabinettsmitglieder längst das Vertrauen in den Präsidenten verloren haben und in einigen Fällen wohl allein deswegen an Bord bleiben, weil sie in den Worten von Pentagon-Chef James Mattis „den Dritten Weltkrieg verhindern wollen.“ Andere Mitarbeiter gehen so weit, dass sie anonyme Kommentare in einer führenden Tageszeitung veröffentlichen und darin erzählen, wie Mitarbeiter aktiv versuchen, die Umsetzung von Trumps politischer Agenda zu unterlaufen.

Die Dysfunktionalität in Washington hat damit einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Dinge laufen so schnell aus dem Ruder, dass die Diskussion darüber, ob Sonderermittler Robert Mueller den Präsidenten womöglich wegen Behinderung der Justiz an den Pranger stellen wird und welche Folgen dies haben könnte, fast zweitrangig erscheint. Viel aktueller ist die Frage, ob ein Präsident, dessen Handlungen von einem wachsenden Verfolgungswahn und vielleicht auch schlechten Gewissen geprägt sind, vor einer Implosion steht. Wozu er dann fähig wäre, umso beängstigender angesichts der kollossalen Machtfülle des Amts, welche dieser Präsident demonstrativ zur Schau trägt, will man sich gar nicht erst ausmalen. Stattdessen sollte man Trost darin finden, dass es noch Menschen um ihn gibt, die tun, was sie können, um Trump in Schach zu halten. ⇥politik@lr-online.de