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| 19:08 Uhr

Kommentar DGB diskutiert Beschäftigungsmodell
Leiharbeit als Strategie zur schnellen Kostenreduktion

Tanja Wolter
Tanja Wolter FOTO: MOZ
Wie so vieles in der Arbeitswelt ist auch die Leiharbeit eine Erfindung der Amerikaner. Als Rechtsanwälte aus Milwaukee 1948 keinen Ersatz für ihre erkrankte Sekretärin fanden, ersannen sie das Modell der Zeitarbeit und gründeten den heutigen Branchenriesen Manpower. Von Tanja Wolter

In Deutschland sollte es noch Jahrzehnte brauchen. Umstritten ist das Modell bis heute.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund diskutiert dieser Tage auf einer Konferenz über die Leiharbeit. Seit den Anfängen hat sich vieles getan. Heute unterliegt die Leiharbeit zahlreichen Kontrollmechanismen und Gesetzen. Diese greifen nicht immer, aber dank Tarifverträgen und Strafen bei Verstößen wurde das Verhältnis zwischen Verleiher, Entleiher und Arbeitskraft professionalisiert.

Es gibt weiter Schattenseiten: Im Durchschnitt verdienen Leiharbeiter immer noch deutlich weniger als klassische Arbeitnehmer. Und das Risiko, arbeitslos zu werden, ist bei ihnen fünfmal höher. Der eigentliche Missbrauch liegt aber woanders: Ursprünglich war sie nur für Phasen mit hoher Nachfrage vorgesehen. Doch wenn „Auftragsspitzen“ zur Regel werden, kann von einer Ausnahmesituation keine Rede mehr sein. Dass die Leiharbeit jetzt auf einem Höchststand ist, zeigt, dass sie als strategisches Instrument zur Kostenreduktion herangezogen wird.

Aber auch die Gewerkschaften agieren beim Thema zweigleisig. Einerseits müssten sie vom Grundsatz her ein Interesse haben, Leiharbeit zu bekämpfen. Andererseits sind sie selbst nicht ganz unglücklich über die jederzeit verfügbare Reserve, mit der sich auch Interessen der Stammbelegschaften und damit der Mitglieder pflegen lassen. Ehrlich ist das nicht.

⇥politik@lr-online.de