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| 18:39 Uhr

Leitartikel zu den Wahlen in Finnland
Leider keine Zauberformel

 Mathias Puddig
Mathias Puddig FOTO: MOZ
Sieht man einmal vom Erfolg bei den Parlamentswahlen vom Sonntag ab, lassen sich zwischen den deutschen und den finnischen Sozialdemokraten (SDP) so einige Parallelen finden. Beide Parteien haben vor Kurzem schwerste Niederlagen erlebt.

Beiden drohte in der Folge der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Beide wollen sich retten, indem sie sich inhaltlich und strukturell erneuern, ohne auch gleich personell bei null zu beginnen. Und siehe da: Nur vier Jahre nach ihrer Rekord-Niederlage sind sie in Finnland wieder stärkste Kraft.

Haben die Finnen also die Zauberformel gefunden, um die europaweit bedrängte und gedemütigte Sozialdemokratie wieder aufzurichten? Trotz aller Ähnlichkeiten spricht nicht allzu viel dafür. Denn die finnischen Sozialdemokraten profitierten in erster Linie von der Schwäche der amtierenden Regierung. Die Konservativen hatten sich bei einer Sozial- und Gesundheitsreform verzettelt und wurden deswegen abgewählt. Außerdem haben die Sozialdemokraten nicht gerade einen Erdrutschsieg hingelegt. Nur um Haaresbreite landeten sie vor den rechtspopulistischen „Wahren Finnen“. Gleichzeitig lief der Trend seit ein paar Wochen gegen die SDP. Noch zum Jahreswechsel war die Partei klar stärkste Kraft in den Umfragen. Seitdem ging’s bergab, während die „Wahren Finnen“ immer stärker wurden. Es ist mehr als unsicher, ob die Sozialdemokraten die Wahl auch gewonnen hätten, wenn sie ein paar Wochen später stattgefunden hätte.

Der deutschen SPD kann das Mut machen, mehr aber auch nicht. Denn anders als in Finnland werden ihr die Konservativen nicht zu Hilfe kommen. Die SPD muss sich selber retten – ohne Zauberformel von außen.

politik@lr-online.de