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| 12:50 Uhr

KOLUMNE MEINE WIRTSCHAFTSWOCHE
Da bahnt sich was an

FOTO: LR / Sebastian Schubert

Hm, ich will ja nicht unken, aber da bahnt sich was an. Nicht bei der Bahn, obwohl Mitteleuropas größtes Eisenbahnunternehmen ganz klar mehr Schwung gebrauchen könnte, um aus der Verlustzone zu fahren. Mehr Energie eben. Da sind wir beim Stichwort. Die Energieerzeugung soll ja künftig ohne den einzigen heimischen, immer verfügbaren Energieträger Braunkohle auskommen. Wie lange es dauert, bis der Tag namens „künftig“ als historisches Datum neue Lausitzer Geschichte prägen wird, ist noch unklar. Klar unterdessen ist, dass die Energiepreise steigen.

Natürlich wittern Gas- und Ölförderer derweil fette Beute und sind dick im Geschäft. Nachrichten über gestiegene Rohstoffpreise und Spekulationen, ob Privathaushalte für Heizung und Warmwasser bald mehr zahlen müssen, nehmen uns seit der vergangenen Woche gnadenlos die Illusion, genug (Sommer)-Wärme gespeichert zu haben für einen langen Winter.

Etwas Wirksames unternehmen gegen den Preistrend können Verbraucher ohnehin nicht, ohne erneut das Portemonnaie zu zücken, wenn sie denn Eigenheimer sind. Dann können sie auf Sonnenfänger als Ergänzung setzen. Grundsätzlich ist die Art der Wärmeversorgung hausgemacht – durch Bauherren oder Vermieter. Und durch die Politik, die ihre selbst verordneten Klimaziele sogar schon zurückgesteckt hat. Vorerst und notgedrungen. Weil der Tunnelblick auf die Braunkohle nicht das gesamte Förderfeld der Energiewende erfasst und zwangsläufig unrealistische Ziele im Visier hat. Weil neben Strom auch Wärme und Verkehr mitgenommen werden müssen, die Digitalisierung mit gedacht werden muss bis hin zur Wettbewerbsregulierung und Speichertechnologien Funktionsreife brauchen zu finanzierbaren Kosten. Bei all dem kann man sich durchaus verheddern, und am Ende jeder Verbraucher in die Röhre schauen. Denn wir sind nicht allein. Auch andere sind energiehungrig und von Öl- und Gaslieferungen abhängig. Der Preisdruck kommt aktuell vor allem aus Ostasien, wo der höhere Importbedarf Chinas wegen des politisch erwünschten Wechsels von Kohle zu Gas und ein kalter Winter in Japan, Südkorea und China die Nachfrage stark erhöht hat, berichten Analysten. Die Energiewende wird teuer erkauft. Das heißt übersetzt: Wir müssen langfristig noch pfiffiger werden und hungriger sein, die Ausbeute zu erhöhen aus dem, was wir haben.

Lausitzer sind mit diesem Talent aufgewachsen. Sie können das ausbauen und tun es bereits. Das ist ihre Tatkraft gewordene Einladung, hier mit anzupacken und zu klotzen, die Region nicht mit Versprechen zu verschaukeln. Hier ist niemand auf den Kopf gefallen, wohl aber hat sich hier jeder schon mindestens einmal kräftig die Nase gewischt.