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| 18:28 Uhr

Trabi fährt ins Museum
Horch und Guck

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Redaktion / LR
Ostalgie hin oder her. Der Trabi gehört zu den Dingen, die man nie mehr brauchen wollte. Er war aus Pappe. Stand er länger im Regen, roch er muffig. Drinnen war es eng und kratzig. Er hörte sich an wie ein Moped, und immer, wenn man sich über ihn ärgerte, weil auf der Fahrt zu Omas Geburtstag mal wieder der Keilriemen gerissen war, guckte er rührselig aus seinen Kulleraugen. Die Evolution hatte ihn mit einem niedlichen Äußeren gesegnet, damit man ihn liebhaben musste, und verpflanzte ihn auf die Verkehrsinsel DDR, wo er keine Fressfeinde hatte. Sonst hätte er den Kampf um die Erhaltung der Art schon sehr früh verloren. Wenn es ging, bekam er den Platz in der geheizten Garage. Denn wer lässt schon kaltherzig erfrieren, worauf er 13 Jahre gewartet hat.

So ist der Trabant tatsächlich 60 Jahre alt geworden. Wenn man nun großzügig ist und die vergangenen 26 Jahre dazurechnet, in denen das Allerweltsauto des Ostens nicht mehr hergestellt wurde, dann ist das schon ein stolzes Alter. Und auch wenn keiner mehr mit ihm zu Omas Geburtstag fahren will – die Freude ist groß, wenn man mal einen überholen kann: Guck mal, der fährt noch, ist ja irre!

Und wer das alte Zweitakter-Feeling gerne wiederhaben will, der steige in den SUV und fahre nach Zwickau. Denn dort widmet das August-Horch-Museum dem Trabant neuerdings eine Dauerausstellung. Das legendäre Fahrzeug wird dort präsentiert in dem Biotop, in dem es einst lebte. Also zwischen Datsche und Norm-Garage. Der Sonnenschirm, der Liegestuhl, alles Originalteile von damals. Das Horch-Museum hat seine Ausstellungsfläche verdoppelt für diesen zauberhaften Aufbau Ost.

Gestern öffnete die Ausstellung fürs Publikum. Dort können Enthusiasten im Fahrsimulator eine Fahrt im Modell P601 durch die Plattenbausiedlung genießen. Solche Genüsse sind der modernen Welt fremd geworden.