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| 01:28 Uhr

Künast geht aufs Ganze

Berlin. Renate Künast will allem Anschein nach Regierungschefin der deutschen Hauptstadt werden. Das Duell Künast gegen Wowereit wird spannend. Die RUNDSCHAU erklärt, wie die Grünen-Fraktionschefin Berlin erobern will.

Eine grüne Regierende in Berlin - was würde das für Deutschland bedeuten?
Gelingt der 54-jährigen einstigen Agrarministerin die Ablösung Wowereits in der Hauptstadt, könnte sie die Grünen im deutschen Parteien-System neu positionieren. Offiziell bekannt gegeben werden soll die Kandidatur übrigens bei einem Mitgliederabend am 5. November, zwei Tage vor einem Landesparteitag. Der Veranstaltungsort im Museum für Kommunikation in Berlin-Mitte ist hintersinnig ausgewählt. Die Grünen reizte nach eigener Aussage die dort derzeit laufende Ausstellung zum Thema Gerüchte.

Wie stehen die Chancen für die Grünen-Politikerin?
Künast hat alle Möglichkeiten. In der jüngsten Forsa-Umfrage kommen die Grünen in der Hauptstadt mit 30 Prozent auf vier Punkte mehr als die SPD. Die CDU dümpelt bei 16, die Linke bei 15 Prozent. Die FDP verpasst demnach mit drei Prozent den Einzug ins Abgeordnetenhaus.

Gibt es Risiken?
Sie sind hoch - die Kernfrage lautet: Ist Wowereit zu einer Koalition unter Führung der Grünen bereit? SPD-Landeschef Michael Müller hat im Sommer die Parole ausgegeben, er könne sich nicht vorstellen, dass es auf einem SPD-Parteitag eine Mehrheit für solch eine Junior-Partnerschaft gebe. Doch beide könnten schnell weg vom Fenster sein, wenn die SPD bei der Wahl am 18. September 2011 einbricht, wie der Berliner Grünen-Fraktionschef und Künast-Intimus Volker Ratzmann meint. Eine Alternative könnte Grün-Schwarz sein: Am Wochenende hatte Künast verraten, dass auch die CDU als Partner infrage kommen könnte.

Wie reagiert Wowereit?
“Wenn sie in Berlin kandidieren will, dann aber bitte ohne Wenn und Aber„, keilt Wowereit in Richtung der Grünen. “Eine Rückfahrkarte in die Bundespolitik, die Frau Künast sich offenbar bereithalten will, schadet Berlin.„ Und an die Adresse von Ratzmann und Co. giftete Wowereit erneut: Berlins Grüne könnten Verstärkung gebrauchen, insofern begrüße er die Kandidatur.

Wie ist das Verhältnis zwischen Wowereit und Künast?
Beide kennen sich aus dem Abgeordnetenhaus, ihr Verhältnis ist nach beider Bekunden gut. Doch klar ist: Als routinierter Wahlkämpfer kann Wowereit groß austeilen - und seine Ansage gilt: “Abgerechnet wird zum Schluss.„ Wurde der Regierende über Monate als lustlos, ideenlos und arrogant kritisiert, bemüht sich Wowereit wieder um mehr Präsenz und zeigt sich als Kümmerer. Seine bundespolitischen Ambitionen könnte er im Fall einer Abwahl nach zehn Jahren vollends begraben. Künast kann hingegen mit Rekordwerten in Umfragen in den Wahlkampf starten, die mehr sind als eine Momentaufnahme. Zumindest in den für das grüne Milieu typischen Berliner Bezirken mit mittelaltem oder jungem Bürgertum rennen Interessierte der Partei die Bude ein.

Verfangen die Attacken der SPD auf Künast als Wohlfühlkandidatin mit Rückticket?
Tatsächlich dürfte sie nach aktuellem Stand wohl Fraktionschefin im Bundestag bleiben - zunächst im Wahlkampf und auch nach der Wahl, falls sie nicht siegt. Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Oskar Niedermayer sollte sich Künast ganz Berlin verschreiben. “Ich halte es nicht für hilfreich, wenn sie sagt: Ich werde Regierende Bürgermeisterin oder ich bleibe im Bund.„ dpa/Eig. Ber./uf