| 18:15 Uhr

Kommentar
Herr ohne Ring

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Sebastian Schubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Die Tafelrunde der CDU-Landtagsfraktion hat gesprochen. Würde alles so laufen, wie man es seit 1990 von der Sachsen-CDU halt kennt, könnte man jetzt locker sagen: Die Sache ist geritzt, habemus Ministerpräsident! Aber seit dem 24. September weiß man, dass auch in Sachsen eine Wahl mal anders ausgehen kann. Insofern darf sich Michael Kretschmer frühestens beim Parteitag am 9. Dezember gratulieren lassen. Christine Keilholz

Dann bekäme Sachsen den jüngsten Ministerpräsidenten seiner Geschichte. Kurt Biedenkopf hatte schon eine politische Karriere hinter sich, als er die Dresdner Staatskanzlei bezog. Nach seinem Abgang 2002 sparte er nicht mit altväterlichen Einlässen. Vom Nachfolger Georg Milbradt dachte kaum jemand, dass der es nochmal wird. Der dritte, Stanislaw Tillich, präsentierte sich als „der Sachse“, was so auch eine Weile reichte.

Mit Michael Kretschmer käme nun ein 42-Jähriger, der mit der Mutter seiner zwei Kinder nicht verheiratet ist. In der Partei, die nach der Wahlschlappe ihr konservatives Profil schärfen will, dürfte das noch eine Rolle spielen. Womöglich eine größere als seine Pläne, Ideen und Strategien. Dass er nicht einfach geheiratet hat, um leichter ins angestrebte Amt zu kommen, darf da zu seinen Gunsten erwähnt werden.