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Konzept zur Beräumung nötig

Heide Schinowsky.
Heide Schinowsky. FOTO: zvg
Spremberg. Enttäuscht reagiert Heide Schinowsky, Cottbuser Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, auf den Besuch des Ministers Jörg Vogelsänger in dieser Woche an der Bühlower Vorsperre der Talsperre Spremberg. "Der klimaschädliche Strom aus der Braunkohle wird immer weniger gebraucht", erklärt sie als klimapolitisch Sprecherin ihrer Landtagsfraktion. Annett Igel-Allzeit /

"Stillgelegte wie aktive Tagebaue tragen zu einer weiteren Verockerung der Spree bei." Es sei ein absoluter Widerspruch, wenn einerseits Millionen Euro aus Steuermitteln zur Eindämmung des Eisenhydroxids als Folge des jahrzehntelangen Braunkohletagebaus in der Lausitz aufgebracht werden. "Andererseits unterstützt Wirtschaftsminister Albrecht Gerber von der SPD neue Tagebaue und will dafür sogar die Klimaziele des Landes Brandenburgs über den Haufen werfen", kritisiert sie.

Gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Benjamin Raschke, umweltpolitischer Sprecher ihrer Landtagsfraktion, fordert sie endlich ein Konzept zur Beräumung der Hauptsperre. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Eisenhydroxids an der Vorsperre gingen zwar in die die richtige Richtung - die nächste Beräumung der Vorsperre läuft im Frühjahr 2018. Aber immer noch werde das Problem der Ablagerung von Eisenhydroxidschlamm in der Hauptsperre ausgeblendet, so Raschke. Ein Teil des Eisenockerschlamms setze auch die Hauptsperre zu. Früher oder später müsse daher die gesamte Talsperre beräumt werden. Auch dass Kurt Augustin, Abteilungsleiter für Wasser und Boden im Umweltministerium, die Debatte zur Sulfatbelastung als "dramatisiert" bezeichnet, ärgert Heide Schinowsky. "Statt die Probleme kleinzureden, sollte die Landesregierung alle Fakten auf den Tisch legen und an Lösungen arbeiten", sagt sie.

Bereits im Frühjahr 2016 sei von der Landesregierung - unter Federführung des Landesbergamtes - ein Sulfatprognosemodell in Auftrag gegeben worden. Die Ergebnisse vermisst Heide Schinowsky. Einer Studie des bundeseigenen Bergbausanierers LMBV zufolge stammen etwa 64 Prozent des Sulfats aus dem aktiven Bergbau und 36 Prozent aus den alten DDR-Tagebauen, so die Politikerin. Sie fordert, dass die Landesregierung dem Bergbaubetreiber Auflagen zur Sulfatreduzierung auferlegt.

Wasserwerken, die Trinkwasser aus dem Uferfiltrat der Spree beziehen, stünden bei zu hohen Sulfatwerten Umbaumaßnahmen ins Haus. Die Kosten dafür würden den Kunden auferlegt, warnt Heide Schinowsky, und erinnert daran, dass das Umweltministerium nach wie vor auf seiner Webseite erklärt: "Sowohl Erwachsene als auch Säuglinge bekommen bei zu hohen Sulfatgehalten des Wassers osmotische Durchfälle." Für Erwachsene könnte das laut Ministerium bei weit über 1200, für Säuglinge bei über 500 Milligramm passieren. Bei 250 Milligramm liegt die Grenze fürs Sulfat im Trinkwasser.