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| 17:35 Uhr

Kontra zu Klinikschließungen
Lieber Salamitaktik statt Holzhammer

 Lydia Schauff
Lydia Schauff FOTO: LR / Angelika Brinkop
Kleine Kliniken dichtmachen, die Gesundheitsversorgung zentralisieren und alles wird besser: Das klingt schön einfach, ist aber purer Aktionismus statt tatsächliche Problemlösung. Von Lydia Schauff

Denn nur, weil das ganze Personal dann in die neuen großen Kliniken wandert, wird es nicht mehr. Und die Patienten wandern ja mit. Ärzte, denen es an Fortbildung fehlt oder die schlichtweg ihren Job nicht gut machen, werden an einem neuen Standort auch nicht ad-hoc schlauer oder qualifizierter. Ja, vielleicht muss nicht jede kleine Klinik erhalten werden, aber einfach mal eine Klinik-Tabula-rasa zu machen, wäre ein Akt politischer Faulheit.

Da ist dann die Bereitschaft da, für Schließungen 80 Milliarden auszugeben, die der Ausbau der Kliniken, die das dann zentral übernehmen sollen und alles, was dranhängt, laut einem Experten kosten könnte. Und da die neuen Patienten ja auch aus dem kleinsten Dorf über wesentlich weitere Strecken transportiert werden müssen, wären sicher auch noch große Investitionen in weitere Krankenwagen und Rettungshubschrauber vonnöten.

Da könnte das Geld doch stattdessen in die bemängelte fehlende Ausstattung vieler Kliniken fließen. Und in Weiterbildungsangebote und Kooperationsprojekte, damit Ärzte in Krankenhäusern, denen es bei bestimmten Operationen an Erfahrung mangelt, sich das nötige Wissen etwa bei Hospitanzen in spezialisierten Kliniken oder bei viel versierteren Kollegen holen können.

Aber es wird lieber der Holzhammer ausgepackt, statt eine vielleicht anstrengendere, aber auch viel sinnvollere Salamitaktik zu fahren.

An die eigentliche Wurzel sehr vieler Übel im Gesundheitssystem geht mal wieder keiner ran: dass Krankenhäuser mit Menschenleben Profit machen müssen.

Da wird nicht Einfühlsamkeit oder Gründlichkeit bezahlt, da geht es nach Masse. Mehr ist mehr, ob notwendig oder nicht. Statt Notfall-Patienten dann an Spezialkliniken zu überweisen, die dort womöglich viel besser behandelt werden könnten, wird der Patient da behalten, weil das belegte, stationäre Bett Geld bringt. Im schlimmsten Fall bezahlt das der schlecht betreute Patient mit seinem Leben.

Statt einfach Kliniken dichtzumachen, müsste das ganze deutsche Gesundheitssystem völlig neu gedacht werden – und zwar viel sozialer.