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| 19:02 Uhr

Leitartikel zu den EU-Kommissaren
Konstruktionsfehler

Die künftige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kann sich anstrengen wie sie will, den zentralen Konstruktionsfehler ihres Teams kann sie mit noch so viel Schwung nicht beheben: Es ist ein Unding, dass jeder der künftig 27 EU-Mitgliedstaaten einen Posten in der Kommission besetzt – und den Anwärter dafür auch noch selbst benennt. Von Christain Kerl

Im EU-Vertrag ist deshalb schon lange eine Reduzierung der Kommissarposten und die Einführung des Rotationsprinzips vorgesehen – was die Mitgliedstaaten aber einfach übergangen haben. Schlimmer noch: Fröhlich ignorieren viele Regierungen die offizielle Verpflichtung der Kommissare, am Brüsseler Kabinettstisch nur europäische, nicht nationale Interessen zu vertreten, und drängen darauf, dass ihr Emissär möglichst ein einflussreiches Aufgabengebiet bekommt.

All dies muss im Auge behalten, wer einen kritischen Blick auf von der Leyens Tableau wirft. Die Kunst besteht darin, mit Ressort-Zuschnitt, Aufgabenstellung und Machtbalance eine Truppe aufzubauen, die trotz aller Hindernisse politische Gestaltungskraft entfaltet. Das ist von der Leyen ziemlich gut gelungen. Sie macht sehr klar, dass sie allen Widerständen zum Trotz Großes vorhat – und auch weiß, was die Bürger jetzt von der EU erwarten.

Die besten Köpfe in ihrem Team – der Sozialdemokrat Timmermans und die Liberale Vestager – steuern die europäische Klimapolitik und die Digitalisierung. Von der Leyen will mit dieser Koalition an der Spitze auf zentralen Feldern Pflöcke einschlagen. Und zugleich will sie ihren Beitrag zu mehr Bürgernähe leisten. Sollte sie nicht reüssieren, hat es am Personal jedenfalls nicht gelegen.

⇥politik@lr-online.de