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Leitartikel
Konservierte Benachteiligung

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: Redaktion / LR
Berlin. Gleichstellungsbeauftragte werden nicht selten belächelt. Es war sogar ein Bundeskanzler, der dieser Geringschätzung mit einer eingängigen Bemerkung politisch Vorschub geleistet hat: „Gedöns“. Darunter firmierte bei Gerhard Schröder alles, was mit Frauen und Familie zu tun hatte. Typisch Macho eben. Spätestens seit den einschlägigen Untersuchungen über die spärliche Präsenz von Frauen in Führungspositionen sollte allerdings klar sein, dass geschlechtsbedingte Benachteiligungen in Deutschland durchaus ein reales Problem sind und nicht nur Stoff für irgendwelche Witze am Stammtisch. Von Stefan Vetter

Einen bis dato kaum beachteten Aspekt dieses Problems hat nun die Antidiskriminierungsstelle des Bundes näher unter die Lupe genommen. Insbesondere für Dienstleistungen müssen Frauen demnach zum Teil deutlich tiefer in die Tasche greifen als männliche Verbraucher. Das mutet schon deshalb paradox an, weil Frauen zumeist in geringer bezahlten Jobs arbeiten als Männer. Zwar sollte man das Problem auch nicht überdramatisieren: Die Reinigung einer  aufwendig gearbeiteten Bluse verursacht sicher einen höheren Aufwand als ein einfaches Herrenhemd und rechtfertigt deshalb auch einen höheren Preis. Wenn der Friseur für einen Kurzhaarschnitt bei Frauen allerdings deutlich mehr verlangt als für einen vergleichbaren Schnitt bei Männern, dann ist das wirklich nicht nachzuvollziehen.

Im Kern gibt es dafür eine ebenso schlichte wie fragwürdige Erklärung: Weil das schon immer so war. Selbst die meisten Frauen nehmen daran bisher keinen Anstoß, wie Verbraucherschützer zu berichten wissen. Den Frauen kann man daher nur raten, das Preisgefüge künftig selbst stärker zu hinterfragen. Die jüngste Untersuchung liefert dafür viele Argumente. Und genau deshalb ist es auch gut, dass es Gleichstellungsexperten gibt, die solches „Gedöns“ thematisieren.

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