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| 18:36 Uhr

Kommentar
Das Prinzip Hoffnung reicht schon lange nicht mehr

Michael Gabel
Michael Gabel FOTO: MOZ
Rund 5,5 Milliarden Euro – das hört sich nach einer gewaltigen Summe an. Doch bei näherem Hinsehen ist der Betrag nicht wirklich hoch, den die Bundesregierung zur Verbesserung der Kita-Qualität zur Verfügung stellt.

Denn überall in Deutschland müssen deutlich mehr Erzieher eingestellt werden – zum einen, um der enorm wachsenden Nachfrage Herr zu werden, und zum anderen, damit man die Kita-Gruppen verkleinern kann. Das kostet eine Menge Geld. Wahrscheinlich mehr als die in Aussicht gestellte Summe.

Gut ist, dass Bund und Länder bei einem Thema von solch herausragender Bedeutung endlich miteinander kooperieren. Das war lange schwierig, weil die Länder die Bildung – und eben auch die frühkindliche – immer als ihr eigenes Terrain reklamierten. Dabei betrifft es die gesamte Gesellschaft, wenn es beispielsweise darum geht, Kinder aus bildungsfernen und bildungsorientierten Elternhäusern so früh wie möglich zusammenzubringen. Und es ist eine nationale Aufgabe, den Nachwuchs aus Migrantenfamilien rechtzeitig mit der deutschen Sprache vertraut zu machen.

Einen Konstruktionsfehler hat das Bundesprogramm allerdings: Es ist bis 2022 begrenzt. Werden Kommunen und freie Träger sich wirklich darauf einlassen, dauerhaft zusätzliches Personal einzustellen, wenn sie gar nicht wissen, wie sie das über Jahre hinweg finanzieren sollen? Zeitverträge wiederum sind in einer Zeit des Erziehermangels kein attraktives Angebot. Deshalb muss die Bundesregierung so bald wie möglich erklären, wie sie das Programm verstetigen will. Denn nur vom Prinzip Hoffnung können Kitas nicht leben. ⇥politik@lr-online.de