ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:13 Uhr

Kommentar zum Wohngipfel
Immer noch zu viel Druck auf dem Kessel

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: LR / Redaktion
Wer durch Metropolen wie Berlin oder Hamburg läuft, dem mag sich die Wohnungsnot in weiten Teilen des Landes nicht unbedingt erschließen. Baukräne allerorten. Neue Unterkünfte schießen scheinbar wie Pilze aus dem Boden.

Zugleich wird „verdichtet“: Baulücken verschwinden, auf ältere Häuser kommen neue Stockwerke oben drauf. Trotzdem reicht das alles hinten und vorne nicht: Weil Wohnen gerade in der Niedrigzinsphase zum Spekulationsobjekt geworden ist, weil die Zahl der Single-Haushalte deutlich steigt, weil immer mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen, und weil Bauen viel zu teuer geworden ist. So wird bezahlbarer Wohnraum zum Luxusgut.

Frühere Regierungen in Bund und Ländern haben dieser Entwicklung zugeschaut. Umso stärker ballen sich nun die Probleme. Schon deshalb war es geboten, dass die Große Koalition zum „Wohngipfel“ ins Kanzleramt bat. Doch es waren eher Allgemeinplätze und Selbstverständlichkeiten zu hören. So schön es ist, dass Angela Merkel eine (im Koalitionsvertrag ohnehin enthaltene) Wohngeld-Erhöhung ankündigte, es bleibt Stückwerk. Zwar werden viele Milliarden Euro in die Hand genommen. Aber sie erfüllen nicht immer einen sinnvollen Zweck.

Dazu zwei Beispiele: Statt des Baukindergelds wäre eine allgemeine Förderung besser gewesen, die sich nicht nur auf Familien beschränkt, wohl aber auf bestimmte Wohnungsgrößen. Dadurch ließen sich Mitnahmeeffekte reduzieren, und der Trend zu immer mehr Wohnquadratmetern pro Kopf würde gedämpft. Schon eingedenk des knapper werdenden Baulands kann nämlich auch das nicht ewig so weitergehen. Ebenfalls schon beschlossen wurde auch ein Steuerbonus für baupreislich vergleichsweise günstige Unterkünfte. Aber auf  eine Mietobergrenze hat die Regierung dabei verzichtet. Das ist fahrlässig. Hier wurden Chancen vertan, um Druck aus dem Kessel zu nehmen.

Woran es aber insgesamt fehlt, ist eine zwischen Bund, Ländern und Kommunen abgestimmte Strategie, um Wohnen billiger zu machen. Bauen, bauen, bauen reicht da nicht aus. Genauso wenig wie die Mietpreisbremse. Auch mit ihrer Verschärfung  lässt sich nur an den Symptomen basteln. So kann es nicht sein, das Sozialwohnungen auch wieder aus der Mietpreisbindung herausfallen können. Dämmvorschriften immer schärfer werden und die Gebäude deshalb deutlich teurer, obwohl sich damit kaum noch Energie einsparen lässt. Oder, warum bei der Bauordnung in Deutschland pure Kleinstaaterei herrscht. Immerhin, an dieser Stelle haben die Ländervertreter auf dem „Wohngipfel“ versprochen, für Abhilfe zu sorgen. Man muss sie beim Wort nehmen.