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| 19:20 Uhr

Kommentar zu Siemens-Chef Kaeser
Handeln ohne Skrupel

Thomas Veitinger
Thomas Veitinger FOTO: LR
Wirtschaft und Moral – wie viele Bücher sind darüber wohl schon geschrieben worden? Alles unterliegt immer auch der gesellschaftlichen Norm. Deshalb ist die Nicht-Absage von Joe Kaeser an der Investitionskonferenz in Riad vor dem Hintergrund des Verdachts der Tötung des saudischen Systemkritikers Jamal Khash­oggi auch so empörend.

Selbst wenn der Siemens-Chef sich nur als wirtschaftlicher Akteur sieht: Er ist es nicht. Wirtschaft ist Bestandteil der Gesellschaft und unterliegt moralischen Regeln.

Es stimmt, eine wirtschaftliche Isolation des Kronprinzen könnte für Saudi-Arabiens Bewohner und Regime-Gegner negative Auswirkungen, ein Scheitern der Reformen und Unsicherheit für die gesamte Region bedeuten. Dialog ist immer die bessere Alternative. Es gilt aber auch, gewaltfrei Zeichen gegen skrupellose Politik zu setzen. Wirtschaft ist eine mächtige Sprache. Kaeser hat schon einmal bewiesen, dass er ohne Skrupel handelt. Während des Wirtschaftsforums in Davos lobte er die Steuerreform von Donald Trump – um wenige Wochen später in China die Handelspolitik des US-Präsidenten scharf zu kritisieren. Derartige Anbiederung an den jeweiligen Gesprächspartner stößt ab. Dies ist letztlich ein moralischer Offenbarungseid.