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| 18:57 Uhr

Kommentar zur Hebammenausbildung
Akademisierung hilft Hebammen und Gebärenden

 Hajo Zenker
Hajo Zenker FOTO: MOZ
Nein, über Nacht wird nicht alles besser mit den Hebammen. Dazu sind die bisherigen Arbeitsbedingungen zu herausfordernd, ist die finanzielle Belastung durch hohe Haftpflichtprämien zu groß und generell die Finanzierung der Geburtshilfe zu schlecht.

Und trotzdem ist die Akademisierung des Berufes ein richtiger Schritt. Denn sie entspricht dem medizinischen Fortschritt und hebt das Ansehen des Berufes. Das hilft Gebärenden genauso wie ihren Hebammen.

Kritik gibt es natürlich trotzdem. Die Frauenärzte etwa fürchten um Macht. Man nehme ihnen Kompetenzen weg, klagt ihr Verband. Dabei sollten sie froh sein, wenn ihnen ein Teil der Arbeit abgenommen wird. Schließlich klagen Medizinervertreter permanent, dass die Ärztearbeitszeit von Tag zu Tag schrumpfe, weil Teilzeit immer weiter voranschreite. Und mit dem Studium steigt ja auch das wissenschaftliche Ausbildungsniveau der Hebammen, sie sind also praktisch und theoretisch Vollprofis in Sachen Geburt.

Im Übrigen setzt Deutschland damit als letztes EU-Land eine Brüsseler Richtlinie um – zum allerletzten erlaubten Termin 2020. Denn sie stammt bereits aus dem Jahr 2005. Auch ein Zeichen dafür, dass sich in der deutschen Politik lange Zeit kaum jemand für das Thema Geburtshilfe interessiert hat. Und viele Bundesländer sind immer noch im Schlafwagenmodus, indem sie die Vorbereitung für die Studiengänge nur äußerst zögerlich in Angriff genommen haben. Womit sie, wenn es jetzt nicht endlich schnell geht, den Hebammenmangel zunächst noch vergrößern könnten, weil nicht für alle Interessentinnen Studienplätze zur Verfügung stehen.

Ist die Einrichtung der Studiengänge aber geschafft, sollte es tatsächlich um finanzielle und organisatorische Bedingungen gehen, schrittweise in Deutschland zu einer „Eins-zu-eins-Betreuung“, also eine Hebamme kümmert sich um eine Gebärende, zu kommen, die anderswo Standard ist. Aber wie man den umtriebigen Gesundheitsminister Jens Spahn so kennt, wird es dazu bestimmt in absehbarer Zeit Gesetzesideen geben.

⇥politik@lr-online.de