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| 18:35 Uhr

Leitartikel
Der Lack ist ab – Macron in ernsten Schwierigkeiten

Christine Longin
Christine Longin FOTO: LR / Redaktion
Das Wort von der Krise macht schnell die Runde, als Nicolas Hulot seinen Rücktritt ankündigt. Dass der Umweltminister irgendwann das Handtuch werfen würde, war klar.

Der beliebte Ex-TV-Moderator ist unzufrieden mit den mageren Ergebnissen seines ersten Amtsjahres und will nicht mehr als grünes Feigenblatt der Regierung herhalten. Doch der Zeitpunkt seines Abgangs bringt Emmanuel Macron in ernste Schwierigkeiten. Denn der Präsident hat mit schwachen Wachstumsaussichten zu kämpfen, die sich auch auf seinen Haushalt auswirken. Der Staatschef muss wohl Sozialausgaben kürzen und wird so seinen Ruf als Reichen-Präsident noch verstärken.

Zudem wirkt die Affäre um Ale­xandre Benalla noch nach, jenen prügelnden Leibwächter, der mit einem Schlag den autoritären Führungsstil Macrons offenlegte. Die Beliebtheitswerte des Staatschefs brachen in dieser Woche ein. Nicht nur wegen Benalla, sondern auch, weil die Franzosen ihrem Präsidenten eine sozial unausgewogene Politik vorwerfen. In diesem komplizierten Kontext muss Macron nun seine Regierung umbilden. Neben Hulot könnten auch andere Minister ersetzt werden. Es dürfte diejenigen treffen, die wie der Umweltminister aus der Zivilgesellschaft kamen. Eine Bankrotterklärung für ein Modell, das vor einem Jahr noch verführerisch wirkte.

Doch die bunte Mischung aus Ministern verschiedener Parteien und Herkünfte, die Macron im Mai 2017 präsentierte, erwies sich als blasse Truppe. Kaum einer der Ressortchefs ist 15 Monate später dem breiten Publikum bekannt. Deshalb reißt der Rücktritt des populären Hulot auch eine solche Lücke. Außerdem zeigt er, dass bei Macron der Lack abblättert. Das schöne Bild eines jungen Staatschefs, der eine neue Art von Politik verkörpert, beginnt zu verblassen. Dahinter kommt ein Mann zum Vorschein, der in vielem seinen Vorgängern gleicht. Schöne Reden, aber keine Taten. Die Opposition spricht schon von einem Zerfall des Systems Macron. Um darüber zu urteilen, ist es noch zu früh. Aber in jedem Fall durchlebt der 40-Jährige gerade die bisher schwierigsten Wochen seiner Präsidentschaft.
politik@lr-online.de