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| 19:24 Uhr

Kommentar zum Kaschmir-Konflikt
Schwerer Fehler

FOTO: MOZ
Südasien driftet auf einen neuen Konflikt zu, der im schlimmsten Fall eine atomare Gefahr birgt. Zwar haben Indien und Pakistan in den vergangenen 72 Jahren bereits drei Mal Krieg um die zwischen ihnen geteilte Region Kaschmir geführt und fanden trotzdem immer wieder zum Waffenstillstand zurück.

Doch diesmal steht der Konflikt unter neuen Vorzeichen. Denn Indiens Regierung – gestärkt durch einen fulminanten Sieg bei den kürzlichen Parlamentswahlen – scheint gewillt zu sein, ihren bislang teilautonomen Bundesstaat Jammu und Kaschmir völlig unter ihre Kontrolle zu bekommen. Dieser hat dann keine eigene Verfassung mehr, keine eigene Fahne, keine Unabhängigkeit in den meisten politischen Fragen.

Ging es bislang um einen Territorialkonflikt, der vor allem von pakistanischen Untergrundkämpfern geschürt wurde, bekommt er nun eine deftige religiöse Note. Denn die Rücknahme des verfassungsrechtlichen Sonderstatus von Jammu und Kaschmir durch die hinduistisch-nationalistische Regierung in Neu-Delhi ist ein kalkulierter Affront gegen die mehrheitlich muslimische Bevölkerung des Bundesstaates. Und die angekündigte Entsendung Zehntausender Soldaten zeigt, dass man einen Aufstand einkalkuliert.

Indiens Regierung schwingt sich auf, vom Beschützer zum Besatzer zu werden. Sie fordert damit unnötig den Erzfeind Pakistan heraus, der sich als Schutzmacht aller Muslime in Kaschmir begreift. Indiens Premier Modi begeht einen schweren politischen Fehler, der die ganze Region destabilisieren kann. Denn hier stehen sich zwei Atommächte gegenüber, die einander mit einem Knopfdruck mühelos auslöschen können.
politik@lr-online.de