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| 17:53 Uhr

Kommentar G20-Gipfel
Das Papier nicht wert

 Dieter Keller
Dieter Keller FOTO: MOZ
Gut, dass sie sich getroffen haben, die Chefs der 20 größten Industrienationen der Welt. Miteinander statt übereinander zu reden ist schon ein Wert an sich in einer Zeit, in der manches Land nur noch an sich denkt.

Das Problem ist nur, dass solche Gipfel wie jetzt im japanischen Osaka von Tausenden von Journalisten verfolgt werden und daher scheinbar greifbare Ergebnisse bringen sollen. Daher werden mühsam Abschlusserklärungen ausgehandelt, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind.

Vor zwei Jahren, in Hamburg, bekannte sich der US-Präsident noch zusammen mit den 19 anderen gegen „Protektionismus“ und „unfaire Handelspraktiken“. Daran gehalten hat er sich nie. Solche wohlklingenden Schwüre sind ihm schlicht schnuppe, auch wenn er sie selbst mal unterschrieben hat. Das ist unglaublich, aber leider Realität. Diesmal wollte er nur unterschreiben, die „Märkte offenzuhalten“, was genauso viel wert ist, nämlich nichts.

Immerhin hat sich Trump mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping geeinigt, die angedrohte Ausweitung der Strafzölle vorläufig auszusetzen. Fragt sich nur wie lange. Das gleiche gilt für den weiter schwelenden Handelskonflikt mit Europa, allen voran Deutschland –  Ausgang offen.

Wichtig, dass sich im Vorfeld des G20-Treffens die EU und der südamerikanische Staatenbund Mercosur auf die weltgrößte Freihandelszone geeinigt haben. Das ist insbesondere eine Demonstration, dass nur Erleichterungen im internationalen Handel die Staaten voran bringen. Entscheidend ist, dass davon weniger die großen Konzerne auf beiden Seiten profitieren, sondern die einfachen Leute. ⇥politik@lr-online.de