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| 19:40 Uhr

Kommentar zu Trumps Antimigranten-Rhetorik
Angstmachen mit Kalkül

Frank Herrmann
Frank Herrmann FOTO: LR / Redaktion
So unglaublich grob die Karikatur ist, die Donald Trump zeichnet, um eine „Karawane“ von Migranten auf ihrem langen Weg durch Mexiko zu porträtieren, so kühl folgt der US-Präsident einem Kalkül.

Vor zwei Jahren gewann er die Wahl, indem er sein Land als notorischen Krisenfall skizzierte und vorhandene Ängste schürte. Die Angst der Abgehängten im Rostgürtel vor einer Zukunft ohne Hoffnung. Die Angst breiter Teile der weißen Mittelschichten, dass auch sie demnächst abgehängt werden, wenn ein resoluter Geschäftsmann illegaler Einwanderung nicht bald ein Riegel vorschiebt.

Nun folgt der zweite Teil der Serie, düsterer, hemmungsloser als 2016. Die Furcht vor dem Fremden, sie gehört zu Trumps Kampagnen wie das sichere Gespür des Demagogen für starke Symbole. Damals war es die Mauer. Diesmal sind es Zeltstädte, in denen Menschen, die den Rio Grande ohne Visum überqueren, bis zur Abschiebung campieren sollen, ohne Chance auf ein faires Asylverfahren. Diesmal sind es die eigenen Soldaten, die Trump demonstrativ, ohne dass Sachgründe ihn dazu zwingen, an die Grenze beordert und die auch schießen sollen, wenn jemand einen Stein auf sie wirft.

Dass der Präsident der Vereinigten Staaten zumindest den rhetorischen Versuch machen sollte, sein zerrissenes Land zu einen, ist diesem Präsidenten vollkommen egal. Er lebt von der Spaltung, es geht ihm allein um seine Anhänger, deren Vorurteile er noch verstärkt, um sie zu mobilisieren. Erscheinen diese am 6. November zahlreich in den Wahlkabinen, könnten sie den Republikanern weiterhin die parlamentarische Mehrheit sichern.  Dass Trumps Rechnung diesmal nicht aufgeht, darauf kann man leider nicht wetten, nicht in der aufgeheizten Atmosphäre dieses Herbstes.

politik@lr-online.de