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| 20:01 Uhr

Kommentar zu Reparationsforderungen
Bohren in alten Wunden

In diesem Herbst wird es genau acht Jahrzehnte her sein, dass mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begann. Nur noch die ganz Alten haben diese Zeit erlebt, sie waren damals Kinder.

Deutschland hat nach seinem Zusammenbruch 1945 viel getan, um die politischen Lehren aus dem damals verübten Verbrechen zu ziehen, um das Leid der Überlebenden zumindest etwas zu lindern und vor allem, um sich neues Vertrauen zu erarbeiten. Dass im Ergebnis des Krieges ein Drittel des deutschen Territoriums verloren ging, gehört zwar auch zur Wahrheit, doch selbst unter dieses schwierige Thema wurde 1990 der endgültige Schluss-Strich gezogen.

Wenn jetzt die aktuelle polnische Regierungspartei sowie das griechische Parlament noch immer der Meinung sind, dass die Deutschen ihre Schuld nicht ausreichend beglichen hätten, ist das vor allem eins: bitter.

Besteht nicht der gemeinsame Erfolg der Europäer gerade darin, dass sie – mit Ausnahme des ehemaligen Jugoslawien – noch nie so lange miteinander in Frieden gelebt haben wie seit 1945? Natürlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass polnische oder griechische Zwangsarbeiter oder Hinterbliebene nicht so hohe Entschädigungen erhalten haben wie etwa US-Bürger oder israelische Juden.

Man könnte sich auch gut vorstellen, dass es gegenüber Polen und Griechenland weitere Gesten gibt, etwa die Restitution von Kulturgütern oder den Wiederaufbau des 1944 von Deutschen zerstörten Sächsischen Palais in Warschau.Doch dies sollte im Geiste des Miteinanders geschehen und nicht durch das Bohren in alten Wunden. Oder mit absurd hohen Forderungen nach Hunderten Milliarden Euro. Gute Nachbarschaft und Vertrauen kann man mit Geld ohnehin nicht erkaufen.

politik@lr-online.de