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| 20:24 Uhr

Kommentar zu Personalmangel an Gerichten
Nur der Angeklagte profitiert

FOTO: LR
Aufgrund des Personalmangels in der Brandenburger Justiz bleiben immer mehr unerledigte Verfahren liegen. Wer davon profitiert, kommentiert René Wappler.

Eine Interessengruppe profitiert vom Personalmangel an den Gerichten. Es handelt sich um Angeklagte. Denn je länger die Zeugen von der Straftat bis zum Verfahren warten müssen, desto schwerer fällt es ihnen, sich an Details zu erinnern. Mitunter widersprechen ihre Aussagen vor Gericht auch den Angaben, die sie zwei oder drei Jahre zuvor der Polizei zu Protokoll gegeben haben. Kein Wunder nach so langer Zeit. Das nutzen die Rechtsanwälte der Beschuldigten gern aus.

Für alle Beteiligten eines Gerichtsprozesses bis auf den Angeklagten gilt das Personalproblem als Zumutung. Für die Staatsanwälte, die eine Anklage vorbereitet haben, sich aber gedulden müssen, bis das Verfahren beginnt. Ebenso für die Richter, die mit der Arbeit nicht hinterherkommen und womöglich nachts von Aktenbergen träumen. Für die Zeugen sowieso. Denn sie können in aller Regel erst innerlich mit dem Prozess abschließen, sobald sie vor dem Richter ausgesagt haben. So schieben sie oft jahrelang eine seelische Last vor sich her, die einem veralteten Sparplan der Justiz geschuldet ist.

rene.wappler@lr-online.de