ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 20:38 Uhr

Kommentar
Eher marginales Problem

 André Bochow
André Bochow FOTO: MOZ
Der Bundesrat steuert ein Rauchverbot in Autos an, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren. Die deutschen Gesundheitsminister wollen das sowieso und die Krebsforscher liefern die wissenschaftlichen Gründe.

Und was kann man schon gegen das Verbot einer solchen Gesundheitsgefährdung sagen? Außer: Es ist entweder überflüssig oder inkonsequent.

Überflüssig wäre es, wenn das Rauchen im Auto kein nennenswertes gesellschaftliches Problem darstellt. Mindestens 800 000 Kinder sollen dem Qualm ausgesetzt sein. Eine Hochrechnung. Tatsächlich handelt es sich um eine unbelehrbare, aber schrumpfende Minderheit, die Kinder im Kraftfahrzeug Vergiftungen aussetzt und sich davon vermutlich auch durch ein Verbot nicht abhalten lässt. Zumal Kontrollen schwierig sein dürften. Schwieriger jedenfalls als die Kontrolle des Rauchverbotes in gastronomischen Einrichtungen.

Deutlich logischer wäre es, das Rauchen im Auto komplett zu verbieten. Es lenkt ab, glühende, herabfallende Asche kann die Fahrer in Unfälle treiben und Senioren können sich unter Umständen schlechter gegen die Tabak-Zumutungen wehren als Jugendliche. Warum ist das Rauchen in Wohnungen erlaubt, egal, ob da Kinder sind oder nicht? Und wenn man es sich recht überlegt und die Kosten für die Gesellschaft in Rechnung stelle, dann müsste es ein generelles Rauchverbot geben. Oder wie wäre es damit, wenigstens die Tabaksteuer drastisch zu erhöhen? Bislang hat man hierzulande noch nicht einmal ein Tabakwerbeverbot hinbekommen. Stattdessen mit Pomp ein eher marginales Problem anzugehen, lenkt mehr ab, als dass es nützt. Das wird die Tabaklobby freuen.

⇥politik@lr-online.de