ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:08 Uhr

Kommentar
Jünger als die JU-Jungen

Werner Kolhoff
Werner Kolhoff FOTO: LR / Redaktion
Angela Merkel hat bei Deutschlandtag der Jungen Union in Kiel an diesem Wochenende gleich mehrere Tests bestanden, mit ziemlicher Bravour. Erstens: Sie ist nicht verunsichert, kein bisschen.

Sie wirkte jünger als viele der Jungen in der Union. Mit ihren Spitzen gegen den niedrigen Frauenanteil in der Führung der Jugendorganisation und ihren Hinweisen auf die eigentlichen Zukunftsaufgaben des Landes hat die CDU-Vorsitzende den Nachwuchs mit ziemlich leichter Hand auf die Matte geschickt. Große Judo-Kunst. Sie hat zweitens auch den Test bestanden, dass es derzeit keinen ernsthaften Herausforderer gegen sie gibt. Jedenfalls ist auch in Kiel keiner aus der Deckung gekommen.

Der Beifall für den neuen Fraktionschef Ralph Brinkhaus hat freilich auch gezeigt, wie groß das Bedürfnis nach einem irgendwie gearteten Neuanfang ist. Merkel ist als CDU-Vorsitzende derzeit noch alternativlos. Gleichzeitig aber hat sie den Zenit ihrer Macht deutlich überschritten, und die Partei sehnt sich nach frischem Wind. Das ist die Lage. Dass die 64-Jährige auf dem anstehenden Parteitag für weitere zwei Jahre als CDU-Vorsitzende kandidieren will, ist – Stand heute – richtig. Ihre erneute Bewerbung wäre aber falsch, ja sogar grob fahrlässig, wenn sie keinen Fahrplan hätte, um spätestens 2020, ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl, einen Wechsel an der Parteispitze herbeizuführen. Sie muss diesen Fahrplan nicht unbedingt jetzt schon mitteilen – das führt nur dazu, dass sofort mit der Nachfolgediskussion begonnen wird. Aber haben muss sie ihn. Aus der klug abwartenden Vorsitzenden würde sonst eine, die an der Macht klebt. Eine Pattex-Angela. Und ihre bisherige positive politische Leistungsbilanz würde sich ins Gegenteil verkehren. ⇥politik@lr-online.de