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| 19:16 Uhr

Kommentar zu Mays drohendem Ende
Für einen Ausweg zu spät

 Hendrik Bebber
Hendrik Bebber FOTO: Südwest Presse Ulm
Theresa May glaubte nicht an die englische Redensart „man kann aus dem Ohr einer Sau keine seidene Börse machen“. Nach dem Fiasko, das ihr Vorgänger David Cameron mit dem Volksentscheid angerichtet hatte, glaubte sie, einen Brexit zu organisieren, der die tiefe Spaltung zwischen Regionen, Generationen und Klassen durch den Austritt aus der EU überwindet.

Obwohl sie früher für den Verbleib in der EU eingetreten war, wandelte sie sich nach ihrer Amtsübernahme zu einer Hohepriesterin des Brexit.

Mit ihrem Mantra „Brexit bedeutet Brexit“ imponierte sie zunächst den europafeindlichen Hardlinern in ihrer Partei, aber vergrätzte die Briten, die entweder weiter in der EU bleiben wollten oder zumindest einen möglichst weichen ­Brexit wünschten. Ohne die Schwierigkeiten und Risiken des Austritts richtig abzuschätzen, verkündete May den Scheidungstermin für den 29. März. Als ihr Deal mit Brüssel dreimal kläglich gescheitert war, musste sie zur Wut der Brexitiers um eine Verlängerung bitten.

Fast drei Jahre nach ihrer Amtsübernahme bequemte sie sich endlich dazu, mit anderen Parteien nach einem Kompromiss zu suchen. Doch dies kam viel zu spät, um noch einen Ausweg aus dem Chaos zu finden. Nun wird sie in den Strudel gerissen, aber kein Nachfolger wird wohl in der Lage sein, das Königreich aus dem Brexit-Schlamassel zu führen.

⇥politik@lr-online.de