ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:38 Uhr

Kommentar zu Karrierefalle Doktorarbeit
Ein brenzliger Moment

 Günther Marx
Günther Marx FOTO: MOZ
Verglüht da eine Karriere, noch ehe sie recht begonnen hat? Familienministerin Franziska Giffey gilt als Hoffnungsträgerin der SPD, doch nun muss sie sich eines Plagiatverdachts erwehren. Sie soll in ihrer Doktorarbeit in Teilen abgeschrieben haben.

Quellen, so der Vorwurf, seien nicht genannt oder nicht vollständig genannt worden, manche Referenzen dienten der Verschleierung. Sollten sich die Verdachtsmomente bestätigen, würde Giffey nicht nur ihren Doktortitel verlieren, sie wäre auch – siehe die Fälle Karl-Theodor zu Guttenberg oder Anette Schavan – politisch nicht mehr haltbar. Aber: Noch ist nichts bewiesen; und die Beurteilung ist oft nicht einfach. Zwischen klarem Betrug und nachlässigem, noch hinnehmbarem Arbeiten ohne Täuschungsabsicht öffnet sich ein weites Feld.

Neben den konkreten, bekannt gewordenen Fällen stellen sich allerdings ein paar grundsätzliche Fragen: Warum versagt die Kontrolle, wo doch „Doktorväter“ und „Doktormütter“ das Entstehen einer Doktorarbeit begleiten und diese am Ende abnehmen und bewerten? Und wie ist es um eine Gesellschaft bestellt, in der „Plagiatsjäger“ – in einem ersten Schritt oft anonym – sich auf die Pirsch begeben? Geht es ihnen nur um die Sauberkeit der Wissenschaft? Franziska Giffey versichert, sie habe ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Das freilich haben viele vor ihr auch getan, ehe sie gefallen sind. Es ist ein brenzliger Moment für sie.

politik@lr-online.de