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| 18:45 Uhr

Kommentar
Versuch einer Notreparatur

 Günther Marx
Günther Marx FOTO: MOZ
Italiens Innenminister Matteo Salvini betrachtet die privaten Seenotretter im Mittelmeer als Kriminelle, die Stadt Paris verleiht ihnen Verdienstmedaillen. Zwischen diesen Polen oszilliert ein in der Flüchtlingspolitik tief zerstrittenes Europa.

Wenn nun Außenminister Heiko Maas „ein Bündnis der Hilfsbereiten“ fordert, ist das der Versuch einer Notreparatur in einer Lage, in der sich jeder einzelne Seenotrettungsfall zu einem Gezerre um die Aufnahme der Geretteten ausweitet.

Auch wenn die Zahl der Flüchtlinge nach Italien drastisch gesunken sind, kommen immer noch welche durch, die trotz aller Widrigkeiten ihr Leben aufs Spiel setzen. Sie wegen befürchteter Anreiz-Effekte absaufen zu lassen oder in ein Bürgerkriegsland zurückzuschicken, wäre mehr als nur Zynismus. Wer in Not ist, muss gerettet und aufgenommen werden – unabhängig davon, ob er dann auch bleiben kann. Dafür braucht es Rettungsmissionen und Verfahren, die zwar aufwändig, aber ein Gebot von Vernunft und Menschlichkeit sind. Maas wird es dennoch schwer haben, Partner zu finden, die über den Einzelfall hinaus Verpflichtungen eingehen wollen. ⇥politik@lr-online.de