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| 15:37 Uhr

Anti-Flüchtlings-Demo in Cottbus
Der Vergleich mit 1989 ist falsch

Cottbus. Redner der Anti-Flüchtlings-Demo in Cottbus bemühen den Vergleich zu 1989 in der DDR. Doch nichts an diesem Vergleich stimmt: Wer gegen Flüchtlinge demonstriert – offen und in Freiheit – wird dadurch kein Opfer eines Unrechtsstaats. Von Oliver Haustein-Teßmer

Bei der gegen die Flüchtlingspolitik in Deutschland gerichteten Demo in Cottbus ziehen Redner Parallelen zu 1989. Damals gingen Bürgerrechtler und immer mehr Menschen in der DDR auf die Straße. Gegen eine Staatsmacht, die vorgab, was sie sagen, was sie kaufen und wohin sie reisen durften. Der Protest brachte die sozialistische Diktatur zu Fall.

Der Vergleich ist hanebüchen. Wer behauptet, im Streit um Zuwanderung wie damals um Grundrechte kämpfen zu müssen, würdigt die Leistung der friedlichen Revolution herab. Bei dieser ging es gegen ein unterdrückendes Regime. Um das Recht politischer Opposition und um Überwindung von Grenzen. Ein Ergebnis ist die Freiheit, in der Bundesrepublik offen und ohne Angst gegen Regierungspolitik eintreten zu können.

Der Unterschied zu 1989: Die Vorkämpfer gegen die DDR-Staatsmacht traten für die Zivilgesellschaft ein. Dagegen teilen rechte Vordenker diesmal ein in Deutsche hier und dort „Volksverräter“ sowie Fremde. 1989 war ein undemokratisches System am Ende. 2018 ermöglicht die Demokratie die notwendige Auseinandersetzung über Zuwanderung. Dabei sind die Demonstranten heute keine Opfer eines Unrechtsstaats.