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| 17:35 Uhr

Kommentar Zur Lage in der Golfregion
Spiel mit dem Feuer

FOTO: MOZ
Kommentar. Die Flammen lodern, das Spiel mit dem Feuer geht weiter. Seit Wochen überziehen sich Washington und Teheran mit gegenseitigen Drohungen, obwohl beide Seiten wissen, dass schon die nächste Provokation den weltweit befürchteten Waffengang auslösen könnte. Von Martin Gehlen

Trotzdem tun alle Beteiligten bisher so, als ließen sich die gegenseitigen Nadelstiche so genau dosieren, dass die Golfregion nicht in eine kriegerische Katastrophe hineintaumelt. Doch spätestens seit der Kommandoaktion der britischen Marine gegen einen iranischen Supertanker vor Gibraltar musste allen Beteiligten klar sein, dass die Islamische Republik nun auf Rache sinnt und die für die Weltwirtschaft hochsensible Straße von Hormuz ins Visier nehmen wird.

Trotz aller Dementis aus Teheran, es waren aller Wahrscheinlichkeit nach iranische Revolutionsgarden mit ihren typischen Schnellbooten, die den britischen Öltanker zu kapern versuchten.

Alle internationalen Schiffseigner werden diese Zuspitzung an der wichtigsten Tankstelle der Welt mit Sorge verfolgen, zumal sich auf dem eigentlichen Konfliktfeld, dem von Donald Trump einseitig aufgekündigten Atomvertrag, nicht die geringste Entspannung abzeichnet. Im Gegenteil. Das Weiße Haus kündigte diese Woche weitere Sanktionen an, die iranische Führung umgekehrt weitere Verletzungen ihrer Vertragspflichten, wenn sich die Europäer dem amerikanischen Druck wie bisher fügen.

Mit diesem Wechselspiel der Hardliner auf beiden Seiten steht das Abkommen von Wien vier Jahre nach seiner historischen Unterzeichnung endgültig vor dem Aus. Und der Iran könnte wieder zurückfallen in die gleiche destruktive Verweigerung wie vor dem Atomvertrag.

politik@lr-online.de