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| 18:32 Uhr

Leitartikel zur Debatte um eine Kopftuchverbot
Das Problem sitzt zu Hause am Frühstückstisch

FOTO: MOZ
Kaum ein Kleidungsstück ist so emotional aufgeladen wie das Kopftuch. Ist es ein Zeichen religiöser Verbundenheit mit dem Islam oder ein Symbol der Unterdrückung der weiblichen Sexualität? Von Stefan Kegel

Am Beispiel der Grundschulen geht dieser Gegensatz am Kern des Problems vorbei. Noch vor Religion oder Politik tut das Kopftuch etwas anderes mit den Mädchen: Es grenzt aus. Entweder diejenigen, die es tragen, oder im umgekehrten Fall diejenigen, die es nicht tragen. Je nach Mehrheitsmeinung unter den Schülern.

Ein Kopftuch zwängt Mädchen kulturell früh in eine Schablone, genauso übrigens wie ein Achtjähriger, der mit Thor-Steinar-Pullover zur Schule geschickt wird. Nein, das Problem liegt nicht im Koran, sondern es sitzt zu Hause am Frühstückstisch. Dort muss auch eine Lösung ansetzen.

Denn was ist gewonnen, wenn ein Mädchen sich das Tuch nach dem Unterricht trotzig am Schultor wieder aufsetzt? Respektvoll und engagiert mit Schülern und Eltern über Religion zu debattieren und Regelungen zu finden, die den Schulfrieden bewahren – das ist die Lösung. Und keine Verbote, die verfassungsrechtlich problematisch sind.

politik@lr-online.de