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| 19:12 Uhr

Kolumne Meine Wirtschaftwoche
Wenn Minuten entscheiden

 Andreas Blaser
Andreas Blaser FOTO: LR / Andreas Blaser
Irgendwie ist die Deutsche Bahn doch immer wieder für Überraschungen gut. Kürzlich im ICE von Berlin nach Köln, mehrstündige Fahrt. Erst aus den Gesprächen des mir gegenüber sitzenden älteren Paares bekam ich mit, dass der Zug in Köln um einiges verspätet war – also eigentlich alles wie immer. Von Andreas Blaser

Die Rückfahrt von Köln nach Berlin, wieder mehrstündige Fahrt. Irgendwo, irgendwann vor Berlin meldet sich über Lautsprecher eine sonore, stolze Stimme: „Liebe Fahrgäste, da wir Berlin eine viertel Stunde eher erreichen als geplant, erreichen Sie auch alle Ihre Anschlusszüge!“ Was, eher als geplant? Eine viertel Stunde? Bei der Deutschen Bahn? Ich wusste bis dahin gar nicht, dass so etwas geht. Dachte, alles ist auf die Minute genau durch getaktet, um nicht das ganze System Bahn noch mehr als ohnehin schon durcheinander zu bringen.

Zur Erklärung: Der ICE fuhr von Hannover bis Berlin ohne Zwischenhalt, rauschte durch Wolfsburg und was sonst noch an größeren Städten an der Strecke liegt. Erster Halt nach Hannover war Berlin-Spandau. Und dort war der Zug in der Tat etwa eine viertel Stunde früher als geplant und fuhr nach wenigen Minuten dann auch weiter Richtung Hauptbahnhof. Was in dem Fall – anders als bei Zügen des Regionalverkehrs – funktionierte, weil der Zug ohnehin nicht für den innerstädtischen Bahn-Verkehr in Berlin, also S-Bahn, freigegeben war.

15 Minuten eher, unglaublich. Ich begann schon zu schauen, ob ich nicht von Berlin noch einen Zug eher nach Cottbus bekommen könnte. Eigentlich nicht, aber erfahrungsgemäß ist der aus Wismar im hohen Norden kommende RE 2 nicht der pünktlichste . . .

Zwischen Berlin-Spandau und -Hauptbahnhof schrumpfte der „Vorsprung“ aber Minute um Minute. Und planmäßig hatte ich am Hauptbahnhof nur acht Minuten Zeit, um meinen „Cottbuser“ zu erreichen. Der Zug bummelte also durch Berlin, der Minutenzeiger der Uhr wanderte unaufhörlich und meine Anspannung stieg.

Schließlich schleppte sich der Zug in den Hauptbahnhof, in der Tat fünf Minuten eher, als es der Fahrplan vorsah. Eigentlich hätte die Deutsche Bahn jetzt ein großes Lob verdient. Eigentlich: Denn die Deutsche Bahn zählt nach ihrer eigenen Logik Verspätungen erst ab sechs Minuten. Was nach DB-Logik in dem beschriebenen Fall heißt . . .

PS: Selbst der RE 2 aus Wismar kam pünktlich auf die Minute und fuhr pünktlich auf die Minute. Bei der Bahn ist nicht mal mehr auf Verspätungen Verlass . . .