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| 01:05 Uhr

Kinderarmut wächst in vielen Ländern

Berlin.. In den Industriestaaten leben immer mehr Kinder in armen Verhältnissen. Allein in Deutschland ist jedes zehnte Kind von Armut betroffen. Das geht aus einer Studie hervor, die das UN-Kinderhilfswerk Unicef gestern in Berlin vorstellte.

Danach wachsen in der Bundesrepublik 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Familien auf, die weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben. Deutschland verzeichnete in den 90er-Jahre einen deutlich stärkeren Anstieg als die meisten Industrieländer.
Während Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) zusätzliche Hilfsmaßnahmen in Aussicht stellte, mahnte die Union eine Senkung der Arbeitslosenzahlen an. "Väter und Mütter müssen in die Lage versetzt werden, das Familieneinkommen selbst zu erwirtschaften", sagte CDU/CSU-Fraktionsvize Maria Böhmer. Schmidt kündigte eine ver stärkte Förderung von allein Erziehenden an.
Der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Reinhard Schlagintweit, sagte, besonders betroffen seien die Kinder von allein Erziehenden und der Nachwuchs von Einwanderern, die erst nach 1990 nach Deutschland gezogen sind. Schlagintweit verwies darauf, dass Länder mit höheren Sozialausgaben eine geringere Kinderarmut haben. Michael Fertig vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung sagte, entscheidend sei, dass die staatlichen Zuwendungen zielgerichteter an bedürftige Familien gehen.
Mit einem Umsteuern bei den Transferleistungen ist es in Großbritannien gelungen, den Anteil armer Kinder zwischen 1989 und 2001 von 18,5 auf 15,4 Prozent zu senken. In drei Vierteln der Industriestaaten stieg die Kinderarmut im gleichen Zeitraum allerdings an: In Deutschland um 2,7 Prozent, in Polen um 4,3. Mit einer Armuts-Quote von 10,2 Prozent belegt Deutschland im Vergleich der OECD-Staaten einen Mittelplatz. Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden schneiden mit Werten von unter fünf Prozent am besten ab. Am Ende des Ranking liegen die USA und Mexiko, wo mehr als 20 Prozent der Kinder in Armut leben. (dpa/kr)